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Zerplatzte Erwartungen
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Zerplatzte Erwartungen

Diplom-Theologin Doris Meyer-Ahlen
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Diplom-Theologin Doris Meyer-Ahlen,

Referentin für Familien- und Beziehungspastoral, Fulda
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Es ist gescheitert – das Gipfeltreffen zwischen US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un. Es gab keine gemeinsam veröffentlichten Vereinbarungen, keine Erklärungen, kein Abkommen. Im Vorfeld des Treffens hatte vor allem Donald Trump die Erwartungen sehr hochgeschraubt: die Führungsqualitäten des nordkoreanischen Machthabers wurden gelobt, die wirtschaftlichen Potentiale des Landes und die besondere Freundschaft, die sie verbinde.

Es ist schon erstaunlich, wie sich das Verhältnis zwischen diesen beiden Staatschefs verändert. Noch ist es nicht lange her, dass sie sich öffentlich beleidigten und die Zerstörungskraft ihrer Waffenarsenale verglichen. Die artikulierte Bereitschaft, notfalls auch nukleare Waffen einzusetzen, die desolaten Lebensbedingungen in Nordkorea – vieles spricht dafür, große, ja sehr große Hoffnungen in die Verständigungsprozesse zwischen Donald Trump und Kim Jong Un zu setzen.

Doch stellt die bisherige Beziehung zwischen den beiden Staatschefs keine einfache Basis dar, selbst wenn man von den doch speziellen Persönlichkeiten der beiden einmal absähe. Weitreichende Verhandlungserfolge entstehen auf einer stabilen Grundlage. Und diese stabile Basis heißt Vertrauen. Für Staatsbeziehungen und Politiker gilt hier etwas ganz Ähnliches wie für den Alltag von ganz normalen Menschen: Beziehungen bewähren sich, wenn Menschen ihren Alltag miteinander teilen. Beziehungen wachsen, wenn nicht nur besondere Höhepunkt und Events miteinander erlebt werden, sondern das normale Leben miteinander gestaltet wird. Im ungeschminkten Alltag lerne ich den anderen von seinen verschiedenen Seiten kennen. So wächst Vertrauen in den anderen, in das gemeinsame Ja zu Beziehung und Begegnung; so entsteht Verlässlichkeit. Dies immer wieder zu feiern, sei es mit einem Abend zu zweit, einer Reise oder ganz besonders und einmalig in einer Hochzeit, lässt gemeinsame Erinnerungen und Verbundenheit wachsen. Aus der Beziehung und dem gewachsenen Vertrauen entsteht das Besondere.

Das christliche Eheverständnis greift dies auf. Hier zeigt sich gerade in diesem unbedingten Ja zweier Menschen zueinander und dem Wunsch, verlässlich ihre Beziehung zu gestalten, auch als Bild der Beziehung zwischen Mensch und Gott. 

Nicht anders bei Donald Trump und Kim Jong Un: Sie werden nur dann die großen Abkommen feiern können, wenn das Vertrauen in den anderen und die Verlässlichkeit in einmal gegebene Worte substantiell wachsen. Vielleicht ist es ja schon eine positive Botschaft, dass sie sich nach einem abgebrochenen Gipfeltreffen nicht beschimpfen, sondern trotz aller augenscheinlichen Differenzen die Kontakte im Hintergrund weiterentwickeln. Eine leidende nordkoreanische Bevölkerung und die Sorge vor unkontrollierbarem militärischem Handeln mit weltweiten Folgen sollten dafür Motivation genug sein.

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