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Weniger ist mehr
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Weniger ist mehr

Dr. Anke Spory
Ein Beitrag von

Dr. Anke Spory,

Evangelische Pfarrerin, Bad Homburg-Gonzenheim

Tanja Heller hat im letzten Jahr tausend Dinge aus ihrer Wohnung verkauft, verschenkt oder weggegeben. Ihre Email-Fächer hat sie geleert, ebenso wie ihren Kleiderschrank. Sie hat viele Verträge gekündigt und sagt: Ich kaufe nur noch, was ich brauche oder liebe. Wenn ich etwas Neues kaufe, muss ein anderer Gegenstand die Wohnung verlassen.

Menschen wie Tanja Heller gibt es immer mehr. Sie versuchen, ihren Konsum einzuschränken und sich von ihrem Besitz nicht mehr so abhängig zu machen. Es gibt sogar ein Wort für sie: Sie sind Minimalisten.

Minimalisten versuchen weniger Abfall zu produzieren, sie setzen auf nachhaltige Produkte, sie hinterfragen ihren Konsum. Sie leben nach dem Motto: Weniger ist mehr. Zuviel Eigentum empfinden sie als Belastung. Das Wort Minimalismus kommt aus der Architektur und steht dort für eine klare Formsprache. Als Lebensphilosophie beschreibt es Menschen, die möglichst wenig konsumieren wollen, aber auch schon die, die ihren Konsum regelmäßig hinterfragen.
Glaubt man ihnen, so kann man den Eindruck haben: Minimalisten sind glückliche Menschen. Glücklich, weil sie Überflüssiges reduzieren und damit einen besseren Blick für das Wesentliche bekommen: Für die Familie, für Freunde, für gutes einfaches Essen.

Für viele gehört auch dazu, sich persönlich zu entwickeln. Mich inspirieren Menschen wie Tanja Heller. Denn sie verändern etwas, worunter viele von uns stöhnen. Wir haben zu viel und wissen oft gar nicht mehr, wohin mit all den Sachen. „Das letzte Hemd hat keine Taschen.“ So hat es meine Oma immer gesagt. Im Grunde hat sie damit etwas ganz ähnliches gemeint. Besitz kann einen vereinnahmen. Er kann einen sogar unfrei machen. Es ist gut zu überprüfen, was ich brauche. Und was ich nicht brauche.

Weniger ist mehr. Man muss ja nicht gleich Minimalist werden. Viele fangen mit dem „weniger ist mehr“ bei kleinen Dingen an. Sie teilen ihr Auto oder bitten zum Geburtstag anstelle von Geschenken um eine Spende für einen guten Zweck.

Ich finde es gut, ab und an zu versuchen mit weniger auszukommen. Denn oft macht man die Erfahrung: Eigentlich brauche ich nicht soviel, wie ich denke. Viele Menschen nutzen die bald kommende Fastenzeit, um auf etwas zu verzichten, was ihnen selbstverständlich geworden ist. Sie verzichten nicht nur, sie schenken sich selbst etwas: Die Chance auf neue Erfahrungen.

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