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Kopfnuss
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Kopfnuss

Martin Vorländer
Ein Beitrag von

Martin Vorländer,

Evangelischer Pfarrer und Theologischer Redakteur im Medienhaus Frankfurt

Geschrei im Kinderzimmer. Philipp, der ältere Bruder, hat zwei Stühle als Tor aufgestellt und kickt mit einem Ball. Der kleine Florian quengelt: „Ich will auch mal!“ Er wirft sich auf den Ball. Philipp faucht ihn an: „Du nervst!“ Die beiden rangeln, bis der große dem kleinen Bruder eine kräftige Kopfnuss gibt.

Riesiges Geheul. Florian rennt zum Vater und wirft sich ihm in die Arme. „Der Philipp hat mich gehauen! Der ist gemein!“ Der Vater hat den Streit zwischen den beiden gesehen und sagt: „Du hast ihn aber auch ganz schön gereizt.“ Florian heult: „Aber er hat mich geschlagen!“ Der Vater streicht ihm über den Kopf.

Ich würde erwarten, dass der Vater jetzt den großen Bruder ausschimpft. Der hat sich ins Unrecht gesetzt. Es ist doch klar, wer Täter und wer Opfer ist. Aber der Vater breitet seinen anderen Arm aus und ruft seinen Großen: „Philipp, komm in meinen Arm!“ Der zögert und kommt dann doch.

Nun hält der Vater seine beiden Söhne im Arm. „Ihr seid mir zwei! Jeder von euch beiden ist schuld. Kopfnuss geht nicht, aber den anderen nerven geht auch nicht. Also: Jetzt gebt euch die Hand und seid wieder gut!“ Die beiden rühren sich nicht. Der Vater legt nach: „Hallo! Hand geben, habe ich gesagt. Und jetzt spielt ihr abwechselnd weiter – jeder darf mal. Philipp hat schon, dann ist jetzt Florian dran.“

Ich finde diesen Vater toll. Er schließt keinen aus. Auch den, der zugeschlagen hat, stellt er nicht in die Ecke. Er nimmt ihn genauso wie den Kleinen in den Arm. Einfach gut, dass es solche Väter gibt! Und an solche Väter denke ich, wenn ich von Gott als Vater rede.

Lukas 15,11-32

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