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Herbergssuche
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Herbergssuche

Diplom-Theologin Doris Meyer-Ahlen
Ein Beitrag von

Diplom-Theologin Doris Meyer-Ahlen,

Referentin für Familien- und Beziehungspastoral, Fulda
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Advent. Eine bewegte Zeit. Viele Menschen sind unterwegs. Es sind Vorbereitungen zu treffen, Geschenke zu besorgen. Verschiedene Weihnachtsmärkte schaffen mir Anlässe unterwegs zu sein. Und vielleicht sind auch schon Weihnachtsreisen zu planen, abzustimmen und zu organisieren. Ich möchte die weihnachtlich freien Tage gut nutzen, um die Familie zu besuchen, Freunde. Menschen sind unterwegs. Auf völlig unterschiedlicher Weise bewegt das Weihnachtsfest Menschen, das Fest, an dem Christen feiern, dass Jesus Christus geboren wurde, dass Gott Mensch geworden ist.

Auch Maria, die Mutter Jesu, war mit ihrem Mann Josef in den Tagen vor der Geburt ihres Kindes auch unterwegs. Statt sich in Ruhe in ihrem Wohnort Nazareth auf die Geburt vorzubereiten, müssen sich Maria und Josef auf den Weg machen. Unfreiwillig. Sie müssen in Betlehem, in Josefs Heimatort, ihre Eigentumsverhältnisse angeben. Und weil dazu sehr viele Menschen verpflichtet waren, war es in dieser Zeit schwierig, eine angemessene Unterkunft zu finden. In Krippenspielen wird ihre Herbergssuche häufig als eine hochdramatische Szene dargestellt. In aller Deutlichkeit werden Maria und Josef zurückgewiesen. Es ist kein Platz mehr für sie. Fremde seien sie… In einem Stall finden sie Schutz. Und Maria bringt dort ihr Kind zur Welt.

Die Frage von damals stellt sich mir heute neu: Wie gehe ich mit Menschen um, die an unsere Türen klopfen, mit Menschen, die wegen Krieg und Gewalt ihre Heimat verlassen mussten, um ihre Leben zu retten? Wie antworten wir als Gesellschaft, wie antworte ich auf die Frage nach einem Dach über dem Kopf, einem zu Hause, einer Heimat vielleicht nur auf Zeit? Diese sind für mich zu den drängendsten, unausweichlichen adventlichen Fragen geworden.

Wird im Krippenspiel der Kinder erst noch die Tür der Unterkunft zugeschlagen, kommt doch in einem Stall Jesus Christus zu Welt. Das ist Gottes Weg zu den Menschen. Er dreht nicht um, wenn es schwierig wird. Er schlägt die Tür zu den Menschen nicht zu. Meine Beziehung zu Christus zeigt sich in meinem Verhalten gegenüber den Menschen. „Ich war arm und obdachlos und du hast mich aufgenommen.“ Wird Christus das zu mir sagen können? „Du hast mich aufgenommen.“ Gott wird Mensch, ein heimatloses Kind in einer menschenunwürdigen Unterkunft – das feiere ich an Weihnachten. Und unterwegs dahin suche ich nach persönlichen Türöffnern, die das Leben anderer zumindest etwas erleichtern.

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