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Hausordnung
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Hausordnung

Jochen Straub
Ein Beitrag von

Jochen Straub,

Seelsorge für Menschen mit Behinderung im Bistum Limburg
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Hausordnungen braucht eigentlich kein Mensch. Mich erinnern Hausordnungen immer an meine Jugendzeit. Bei Schulausflügen oder in Jugendherbergen waren sie ganz wichtig: die Hausordnungen. Und das Schlimmste war – ab 22 Uhr Bettruhe. Vielleicht ist es das, was mich bis heute verfolgt: Bis heute mag ich keine Hausordnungen, so sehr ich verstehe, wie sie manchmal nötig sind. Doch vor kurzem hat mich eine Hausordnung begeistert. Es war im letzten Herbst in einem Hotel im Bayerischen Wald. Meine Frau und ich hatten ein paar Tage Urlaub, und ganz unscheinbar im Treppenhaus - fast vergessen – hing sie da: die Hausordnung.

Wie früher in der Jugendherberger

Dort stand geschrieben:

Wenn etwas offen steht – schließ es.
Wenn etwas auf dem Boden liegt – heb es auf.
Wenn etwas schmutzig ist – mach es sauber.
Wenn jemand hungrig ist – gib ihm zu essen.
Wenn jemand traurig ist – sei für ihn da.

Hausordnung der Nächstenliebe

Diese Hausordnung hat mir gefallen, und ich habe sie erlebt in diesem Haus. Eine ganze Woche lang. Sie war mir viel lieber als jedes vorformulierte Leitbild von manchen Hotels, die auf Hochglanz abgedruckt sind. Die Wirtsleute in unserem Hotel waren herzlich. Wir hatten eine fröhliche Zeit, und sie waren freundlich zu uns. Sie waren für uns da. Ich bin mir sicher, sie hätten mit ihrer Hausordnung ernst gemacht, wenn es uns einmal nicht gut gegangen wäre. Wenn jemand traurig ist – sei für ihn da. Sie haben ihre Hausordnung vorgelebt, und wir haben das gespürt. Und: Sie haben mir Lust auf Hausordnung gemacht: Eine solche Hausordnung regt zum Nachahmen an.

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