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Geduld
Bild: Dipesh Parmar/Pixabay

Geduld

Gabriele Heppe-Knoche
Ein Beitrag von Gabriele Heppe-Knoche, Pfarrerin, Leitung Evangelisches Forum Kassel
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Kaum etwas war in den letzten Monaten so gefragt wie Geduld. Zuerst der strenge Shutdown. Man hatte anfangs das Gefühl, wir alle treten jetzt zurück und warten zuhause ab, bis wir unser gewohntes Leben wieder aufnehmen können. Aber nach drei Wochen wurde allmählich klar, dass das Virus nicht einfach verschwindet. Alle Vorsichtsmaßnahmen müssen also auf unabsehbare Zeit weitergehen.

Natürlich strömen jetzt die Menschen bei schönem Wetter nach draußen. Vor allem die jungen Leute wollen sich wieder treffen. Sie wollen Spaß haben oder miteinander ausgehen. Trotz Abstandsgebot bilden sich da schnell mal kleinere und größere Gruppen, wenn man Bekannte trifft. Das ist verständlich, wo wir doch jetzt in allen Bereichen, ob Schule, ob an der Arbeit oder im Privaten so gut durchgehalten haben. Verständlich, aber auch riskant. Denn schnell kann man das Virus aufschnappen und weiterverbreiten, wenn die Regeln nicht eingehalten werden. Wir haben es schon an einigen Orten gesehen. Um da nicht unvorsichtig zu werden, brauchen wir Geduld. Jeder für sich und alle auch miteinander.

Geduld ist eine Eigenschaft, die in der gegenwärtigen Lage von unschätzbarem Wert ist. Mit Geduld kann ich auch schwierige Situationen und Enttäuschungen aushalten und ertragen. Denn trotz aller Schwierigkeiten verliere ich das Ziel nicht aus den Augen. Ich werde kreativ und denke um. Gibt es noch andere Möglichkeiten, andere Wege, die ich einschlagen kann? Was macht mich zufrieden und gibt mir neue Anregungen, auch wenn ich mich nicht so wie sonst mit anderen Menschen treffen kann? Viele sind nach draußen gegangen. Sie haben die Natur ganz neu als Quelle von Lebensfreude entdeckt. Als Spaziergänger oder im eigenen Garten oder auf dem Rad durch die Landschaft. Das hat Hoffnung geweckt auf einen neuen Anfang, bei dem wir uns wieder ganz direkt und lebendig begegnen können.

Geduld ist für den Apostel Paulus eine christliche Tugend. Eindringlich erinnert er die Gemeinde in Rom daran. Ihm ist es wichtig, dass auf die Schwachen Rücksicht genommen wird. Es sollen nicht die vorpreschen, die sich stark und frei in ihrem Glauben fühlen. Denn dann kann es passieren, dass die Ängstlichen und Schwachen zurückbleiben. Paulus empfiehlt Geduld. Aus Nächstenliebe. Denn durch Geduld entsteht Trost und Hoffnung, sagt Paulus.

Geduld ist nämlich nicht nur eine Angelegenheit, die mir selber dient. Sie hat vor allem soziale Kraft. Wer geduldig ist, kann warten, auf die, die langsamer sind. Wer geduldig ist, kann den Ängstlichen Mut machen. Das gilt nicht nur in diesen Zeiten. Geduld lohnt sich. Denn nach überstandener Krise können so alle gemeinsam wieder befreit leben.

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