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Farbe bekennen
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Farbe bekennen

Dr. Barbara Brüning
Ein Beitrag von

Dr. Barbara Brüning,

Katholische Journalistin, Autorin und Systemische Familienberaterin, Frankfurt
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Endlich sind sie wieder möglich: die Treffen mit der Familie oder auch mit ein paar Freunden, wenn auch immer noch mit Einschränkungen. Aber die Oma ist geimpft. Die Tante, die sie pflegt, auch. Die Kinder haben sich an Schnelltests gewöhnt. Und wir genießen etwas mehr Freiheit. So haben wir uns letzte Woche zum ersten Mal seit langem mal wieder im leicht vergrößerten Kreis zum Essen getroffen. Und da habe ich festgestellt: Irgendwie hat sich was verändert. Zu den Unterschieden, die schon immer da waren, sind nun noch die Fragen gekommen wie: „Impfen, ja oder nein?“ oder: „Ist die Regierung nun gut oder will sie uns unterdrücken?“. Ich hatte das Gefühl, diese unterschiedlichen Haltungen waren schon immer unterschwellig da, aber wir haben sie nicht so ausgesprochen. Und ich glaube: Wir werden das nicht mehr los. Anders finde ich auch, dass unterschiedliche Standpunkte nun schneller ausgesprochen werden. Warum auch immer. Und ich finde es auch gut so. Farbe bekennen. Zu sich stehen. Das verbinde ich damit.

„Segen für alle“ finden nicht alle gut

Und dann bin ich neulich an einer Kirche vorbeigekommen, an der hat ein regenbogenfarbenes Banner gehangen. Darauf hat gestanden: Segen für alle. Aha, habe ich mir gedacht: Hier also auch: eine Gemeinde, die Farbe bekennt. Und das wird ja sicher auch nicht von allen gut geheißen. Sicher gibt es Widerspruch. Hoffentlich wird der auch nicht unter den Tisch gekehrt.

Was uns verbindet – allen Unterschieden zum Trotz

Ich glaube: Die Kunst ist, zu verstehen, dass es etwas gibt, das uns verbindet, selbst wenn wir unterschiedlicher Meinung sind. Und vielleicht treffen wir uns heute an Fronleichnam wieder im leicht erweiterten Familienkreis und am Ende ist es die Oma, die sagt: Aber der Kuchen ist hervorragend. Ich glaube, dann sind sich alle einig.

Gott liebt uns unabhängig von unseren Ansichten und Meinungen

In der Kirche lässt sich sicher auch vieles finden, das alle hervorragend finden, denke ich mir. Für mich ist es die Tatsache, dass Gott mich nicht mehr liebt, wenn ich die richtige Meinung habe und mit der falschen auch nicht weniger. Einige werden sich irren, einige werden ihre Meinung korrigieren, andere nicht. Sein liebevoller Blick gilt allen und kann jeden erfreuen. So wie der wunderbare Kuchen.

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