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Ein Versprechen am Sterbebett
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Ein Versprechen am Sterbebett

Ralf Schweinsberg
Ein Beitrag von

Ralf Schweinsberg,

Pastor der evangelisch-methodistischen Kirche in Gründau-Rothenbergen
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150 Studenten konnten sich überhaupt nicht vorstellen, dass eine Frau Ärztin werden wollte. Nein. Das musste ein Scherz sein. Die Universitätsleitung wollte sie anscheinend verschaukeln. „Stimmen Sie dafür, dass eine Frau in die Universität aufgenommen wird?“, lautete die Frage und 150 Medizinstudenten machten den vermeintlichen Scherz mit. Sie votierten einstimmig mit: Ja.

Die erste Medizinstudentin Amerikas am Geneva Medical College

Damit erhielt das kleine Geneva Medical College im Staat New York die erste Medizinstudentin Amerikas. Elizabeth Blackwell hieß die junge Frau, die heute vor 200 Jahren geboren wurde. Sie studierte erfolgreich und wurde die erste Ärztin Amerikas.

1832 ausgewandert in die neue Welt

Dabei wollte Elizabeth ursprünglich gar nicht Medizin studieren. Mit ihrer Familie war sie 1832 aus England in die neue Welt ausgewandert. Als ihr Vater starb, gründete die Mutter gemeinsam mit ihren drei Töchtern eine kleine Privatschule. Lehrerin, das war damals für eine junge Frau ein angemessener Beruf.

Ein Versprechen am Sterbebett

Da wurde eine Freundin von Elisabeth sterbenskrank. Am Bett der Freundin erzählte ihr diese, wie sie unter der unsensiblen Art mancher männlichen Ärzte gelitten hat. „Versprich mir“, hat sie Elisabeth kurz vor dem Tod gebeten, „dass du einmal Ärztin wirst!“

Es gab damals keine einzige Frau, die Ärztin war, in ganz Amerika nicht. So etwas war undenkbar. Nicht für Elizabeth. Ihre Eltern hatten ihr viel Selbstbewusstsein mit auf den Lebensweg gegeben und den inneren Kompass, der auch in der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung steht: Gott hat alle Menschen gleich geschaffen.

Elisabeth Blackwell wurde an der Uni angenommen, aber gemobbt

Dieses Selbstbewusstsein brauchte Elizabeth dann auch. Sie bewarb sich an allen erreichbaren Universitäten – und erhielt nur Absagen. Bis auf das kleine Geneva Medical College im Staat New York. Das sagte nicht gleich Nein, sondern befragte zunächst die Studentenschaft. Und obwohl alle Studenten ihrer Aufnahme zugestimmt haben, machten sie Elisabeth Blackwell das Studium schwer. Sie grenzten aus und mobbten sie.

Eine Klinik in New York zur Behandlung von bedürftigen Frauen und Kindern

Aber Elisabeth biss sich durch und schloss das Studium mit den besten Noten ihres Jahrgangs ab. Sie wurde Ärztin und unterstützte zeitlebens viele andere Frauen. In New York gründete sie eine eigene Klinik, behandelte bedürftige Frauen und Kinder und stellte gezielt Frauen als Ärztinnen ein.

Elisabeth Blackwell kämpfte für die gleichen Rechte für alle

Ich frage mich, was aus der jungen Elizabeth geworden wäre, wenn sie ihrer sterbenden Freundin nicht versprochen hätte, Ärztin zu werden. Vielleicht wäre ihr Leben einfacher gewesen. Aber sie hätte nicht so viel für andere tun können. Sie hat nie nur für ihre eigene Anerkennung gekämpft. Sie hat dafür gekämpft, dass alle Menschen, Männer wie Frauen, die gleichen Rechte und den gleichen Wert haben. Sie hat daran mitgewirkt, dass der Satz nicht nur ein Satz bleibt, sondern immer mehr Wirklichkeit wird: Gott hat alle Menschen gleich geschaffen.

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