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Drei Kränkungen der Menschheit
Bild: Bronisław Dróżka/Pixabay

Drei Kränkungen der Menschheit

Claudia Rudolff
Ein Beitrag von

Claudia Rudolff,

Rundfunkpfarrerin der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Kassel
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Was haben Nikolaus Kopernikus, Charles Darwin und Sigmund Freud gemeinsam? Alle drei haben das Weltbild der Menschen umgekrempelt.

Aber nicht nur umgekrempelt. Sie haben auch den Menschen in seinem Selbstverständnis gekränkt. Deshalb spricht man noch heute von den drei Kränkungen der Menschheit. So hat es Sigmund Freud selbst beschrieben.

Die erste Kränkung: Nikolaus Kopernikus und sein Weltbild

Die erste Kränkung ist im 15. Jahrhundert mit dem Namen Nikolaus Kopernikus (1473 – 1543) verbunden. Er entdeckt, dass die Erde um die Sonne kreist. Damit ist die Erde nicht mehr Mittelpunkt des Weltalls. Diese Entdeckung erschüttert den Glauben des Menschen an seine einzigartige Stellung im Universum.

Die zweite Kränkung: Charles Dawin und seine Evolutionstheorie

Für die zweite Kränkung ist der britische Naturforscher Charles Darwin verantwortlich. 1859 veröffentlicht er seine Evolutionstheorie, die besagt: „Wir Menschen sind nicht die außergewöhnliche Krone der Schöpfung. Wir stammen genauso von Tieren ab wie andere Arten auch.“ Diese Entdeckung erschüttert den Glauben des Menschen an seine einzigartige Stellung auf der Erde.

Die dritte Kränkung: Sigmund Freud und seine Erkenntnisse

Die dritte Kränkung kommt vom Wiener Nervenarzt Sigmund Freud. Er findet um 1900 heraus, dass Menschen trotz aller Kultur auch triebgesteuert sind. Der Mensch handelt nicht nur aus freiem Willen und nach seiner Vernunft. Es gibt eine gewichtige Gegenkraft: Das Unterbewusstsein. Diese Entdeckung erschüttert den Glauben des Menschen an sich selbst.

Warum werden diese Erkenntnisse Kränkungen genannt?

Warum werden diese drei bahnbrechenden Erkenntnisse „Kränkungen“ genannt? Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr komme ich zu dem Schluss: Der Begriff trifft es gut: denn Kränkungen sind auch heilsam und rücken mich zurecht. Auch im Alltag. Da kränkt es mich manchmal, wenn ich für jemanden nicht im Mittelpunkt seines Denkens stehe.

Es kränkt und belastet mich auch, wenn ich zugeben muss: Ich bin zu schwach, um vernünftig zu handeln! Und so greife ich immer wieder zur Zigarette, obwohl ich mit dem Rauchen aufhören will.

Kränkungen haben auch was Gutes!

Aber diese Kränkungen haben auch etwas Gutes. Sie zeigen mir meine Schwachstellen. Und sie lehren mich etwas: Ich muss für niemanden der Mittelpunkt der Welt sein. Das ist anstrengend und schränkt meine und seine Freiheit ein. Ich sollte mir einfach öfters sagen: Ich bin auch etwas wert ohne die ständige Aufmerksamkeit von anderen.

Kränkungen lehren Respekt und schenken Freiheit

Und: Ich habe meinen Platz im Herzen Gottes und in dem anderer Menschen und im Universum. Zwar keinen hervorgehobenen, sondern mit allen anderen Geschöpfen gleich. Das lehrt mich auch Respekt und die Achtung anderer – auch der Tiere.

Und: Es ist kein Drama, nicht immer vernünftig zu handeln. Ich bin ein Mensch und dazu gehört sicher der Verstand. Aber nicht nur. Auch Gefühle und anderes.

So betrachtet tun alle drei Kränkungen- damals wie heute- auch gut und schenken die Freiheit zu sich selbst!

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