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Die Todesstrafe ist abgeschafft!
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Die Todesstrafe ist abgeschafft!

Dr. Peter Kristen
Ein Beitrag von

Dr. Peter Kristen,

Evangelischer Pfarrer und Studienleiter, Religionspädagogisches Institut Darmstadt


Das war zu viel. Neid hat ihn gepackt und Wut. Entschlossen ballt er die Fäuste. Zornesfalten graben sich in seine Stirn. „Der hat nichts anderes verdient“, denkt er, „weg mit ihm!“ Damit es keine Zeugen gibt und keine Schreie ihn verraten, lockt er sein Opfer heimtückisch hinaus auf sein Feld. Dort erschlägt er ihn. Ihn, seinen Bruder. 

Auf einer der ersten Seiten erzählt die Bibel diese grausame Geschichte. Kain ermordet seinen Bruder Abel. Gott sieht den Zorn in Kains Gesicht. Gott fragt Kain: „Wo ist dein Bruder Abel?“ Kain lügt. „Weiß ich nicht. Bin ich da, um auf meinen Bruder aufzupassen?

Gott weiß, was Kain getan hat. Der Mörder hat eine harte Strafe verdient. In China und in manchen Staaten der USA wäre das die Todesstrafe. Da kann der Staat Straftäter hinrichten. Auch 500.000 Menschen in Hessen wollten, dass die Todesstrafe in der Hessischen Verfassung bleibt. „Der hat nichts anderes verdient, weg mit ihm!“

Die biblische Geschichte von Kain und Abel erzählt, dass es gut ist, diesem Reflex der Rache nicht zu folgen. Gott bestraft Kain anders: Gott schickt den Mörder weg von seinem Zuhause. Heimatlos muss er umherirren. Damit er in der Fremde nicht selbst ein Opfer der Wut Anderer wird, macht Gott ein Zeichen an Kain. Das Zeichen schützt Kain vor der Rache der anderen. Der Mörder Kain darf weiter leben.

Wo grauenvolle Verbrechen geschehen, da liegt der Reflex der Rache nahe: „Der hat nichts anderes verdient, weg mit ihm!“ 
Ich verstehe, dass Menschen spontan so empfinden. In der Bibel hat nicht die Rache das letzte Wort, sondern die Gerechtigkeit und die Gnade Gottes. Die bewirken mehr als Rache, weil sie dem Täter die Chance lassen, dass er sich ändern kann.

Darum bin ich froh, dass auch in unserer hessischen Verfassung bald steht: Die Todesstrafe ist abgeschafft. 
 

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