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Der Tag der Deutschen Einheit
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Der Tag der Deutschen Einheit

Susanna Petig
Ein Beitrag von

Susanna Petig,

Evangelische Pfarrerin, Kirchspiel Gensungen, Felsberg /Eder
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Der Tag der Deutschen Einheit – ich erinnere mich noch gut, wie ich vor 29 Jahren vor dem Fernseher saß und gebannt die Grenzöffnung verfolge. Oder wie mein Mann aus Berlin angerufen hat und sagte: „Du, ich stehe gerade auf der Mauer. Tausende Menschen sind hier und umarmen sich und tanzen.“ – Auch mich hat der Freudentaumel erreicht. Ich war wirklich bewegt. Dabei hatte ich Deutschland ohne Mauer selbst nie erlebt. Aber ich fühlte: Das jetzt war richtig!

Inzwischen gibt es eine ganze Generation, die das geteilte Deutschland nie erlebt hat. Ich kann mir das oft gar nicht vorstellen. So wenig, wie Menschen, die gern alles wieder rückgängig machen würden.

Es stimmt: Bei meinen ersten Besuchen in den neuen Bundesländern war mir manches fremd. Und manches ist bis heute unterschiedlich in Ost und West. Schließlich gab es ja auch einige Jahrzehnte, in denen „Wessis“ und „Ossis“ ganz verschieden geprägt wurden. Manche haben sich auf üble Weise bereichert. Manche wurden bitter enttäuscht. Vielleicht wäre es gut gewesen, wenn man sich nach der Grenzöffnung erst mal auf Augenhöhe begegnet wäre. Miteinander überlegt hätte, was von beiden Seiten bewahrt oder auch reformiert werden soll. Frei nach dem biblischen Motto: „Prüft alles, und das Gute behaltet.“

Dennoch: Die „Mauer“ möchte ich nicht mehr zurück. Trotz aller Herausforderungen der Gegenwart. Trotz aller Unterschiedlichkeiten. Und auch bei so vielem, was in den vergangenen fast 30 Jahren gewachsen ist an Neuem, Gutem, an Miteinander, an Gemeinsamkeiten.

„Prüft alles, und das Gute behaltet.“ Das geht ja auch heute noch. Demokratisch, respektvoll, gewaltfrei – damit man gut und zufrieden leben kann in Ost und West. Wir alle können was dazu beitragen.

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