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Das kleine Zeichen von Liebe im Leid
Bild: Mylene/Pixabay

Das kleine Zeichen von Liebe im Leid

Michael Becker
Ein Beitrag von Michael Becker, Evangelischer Pfarrer i. R., Kassel
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Es war der schlimmste Augenblick meines Lebens, sagt die Frau. Erst wird sie schwanger, dann aber kommt ihr Kind krank zur Welt; nicht lebensfähig. Das Baby kann nur mit einer Maschine atmen. Ärzte helfen der Mama, wo sie nur können, machen ihr aber keine Hoffnung, sagt sie vor einer Woche einer Zeitung in England (focus.de 24.2.2020). Dann kommt der schlimmste Moment: die Mutter entscheidet, dass die Maschine abgeschaltet wird. Ihr Schmerz ist groß; ihre Liebe auch. Was ihr hilft: dass sie anderen davon erzählen kann. Und Menschen mit ihr tragen: Gemeinsam haben wir überlebt, sagt sie.

Gemeinsam tragen - ein kleines Zeichen von Liebe im Leid. Nicht alleine sein mit dem Schmerz; sich verstanden wissen. Das kann man gar nicht genug rühmen. Dass Menschen da sind, die einfach mit aushalten, wenn mir Körper oder Seele wehtun. Trost ist da sein.

Trost ist nicht, alles besser zu wissen. Es gibt ja Menschen, die treten an ein Krankenbett und sprühen vor Lebenslust. Und erzählen dem Kranken, wie er die Dinge zu sehen hat. Sie halten es nicht aus, einfach nur da zu sein. Dabei ist das doch Hilfe: hören, verstehen, vielleicht mal eine Suppe kochen - aushalten eben. Wir können oft nichts tun; wir können aber gemeinsam tragen, ohne die leuchtenden Sprüche. Dann lieber schweigen. Du bist bei mir; sagt einer im Psalm. Und dankt Gott nicht für gute Ratschläge, sondern für seine Nähe. Nähe muss nicht reden. Je ruhiger sie ist, desto heller leuchtet das kleine Zeichen von Liebe im Leid.

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