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Da stellen wir uns mal ganz dumm
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Da stellen wir uns mal ganz dumm

Michael Becker
Ein Beitrag von Michael Becker, Evangelischer Pfarrer i. R., Kassel
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Da stellen wir uns mal ganz dumm, sagt der Lehrer Bömmel in der „Feuerzangenbowle“. Der Lehrer im Film will die Dampfmaschine erklären. Die Schüler haben keine Ahnung. Bömmel sagt: Da stellen wir uns mal ganz dumm. Wissen nichts, heißt das. Oder tun so. Dann legt er los mit der Dampfmaschine. Die Schüler hören und staunen. So ist das also. Man versteht besser, wenn man mal nichts weiß.

Dumm stellen ist nicht dumm sein. Ein wichtiger Unterschied. Dumm stellen ist wie „Alles auf Anfang“. Wir tun mal so. Wir wischen die innere Tafel ab und fangen von vorne an. Als wüssten wir nichts. Wissen auch nichts besser. Wer verstehen will, darf nicht schon alles wissen. Darf nicht geprägt sein. Von nichts. Ich sehe einen anderen und denke mir meinen Teil. Das geht oft schief. Ich sehe einen Menschen und denke mir – erst einmal nichts. Mein Blick ist offen, hat kein Urteil. Ich verteile weder Lob noch Tadel, nur weil mir Rock oder Hose nicht gefallen. Oder der Ring im Ohr, die Tätowierung am Arm, der Geruch des anderen. Ich urteile nicht, auch nicht im Stillen. Ich lasse mich nicht verführen vom Äußeren. Ich warte ab, stelle mich dumm. Meine Sinne sind gespannt.

Wer früh weiß, versteht zu wenig. Versteht nur, was er schon kennt. Mehr nicht. Besser ist hören, hinschauen, nachfragen. Und nachdenken. Viel nachdenken. Jeder Mensch ist mehr, als er zeigt. Und tut. Ich will doch verstehen: Wie sieht es bei ihm innen aus, was treibt ihn an. Was glaubt er wirklich, was liebt der andere? Wir machen uns dumm, als wüssten wir nichts. Passen auf. Achten auf jedes Wort. Auf Klang und Gesten. Hinter dem Außen gibt es noch das Innen. Wo alle Sehnsucht ist. Sehnsucht nach geborgen und heil sein. Nach Nähe. Und einem Gott, der Liebe ist. Fürs ganze Leben.

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