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Auge um Auge - Zahn um Zahn
Arne Immanuel Baensch/Picture Alliance

Auge um Auge - Zahn um Zahn

Dr. Fabian Vogt
Ein Beitrag von

Dr. Fabian Vogt,

Evangelischer Pfarrer in der Öffentlichkeitsarbeit, Darmstadt
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Moderator/in: Im Sonntagstalk hat Bärbel Schäfer nachher die Boxerin und Autorin Zei-na Nassar zu Gast. Eine Frau, die sich im wahrsten Sinne des Wortes „durchgeboxt“ hat. Und wahrscheinlich auch eine, die die alte Kämpfer-Regel „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ beherrscht.

Fabian Vogt von der Evangelischen Kirche: „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ kommt ja aus der Bibel. Ist das ein Leitwort für alle, die sich durchsetzen wollen?

Ne, eigentlich gar nicht. Im Gegenteil: Jeder, der diesen Satz benutzt, um damit ein Recht auf Härte oder gar auf Rachegelüste zu begründen, hat ihn nicht verstanden.

Auch wenn es nicht so klingt, „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ ist eigentlich ein Aufruf zur Mäßigung. Zur Deeskalation.
Dazu muss man wissen...vorher galt in alten Zeiten der Grundsatz: Wenn dir einer im Streit einen Zahn ausschlägt und damit deine Ehre verletzt, dann herrscht fortan zwischen euren Familien Blutrache. Und dann beginnt oft ein jahrzehntelanger Konflikt.

Die Formel „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ setzt dieser ausufernden Gewalt bewusst ein neues Prinzip entgegen: Wenn dir einer einen Zahn ausschlägt, dann sollst du ihm maximal ebenfalls einen Zahn ausschlagen – dann ist aber gut. Dann lebt bitte wieder in Frieden miteinander.
    
Also ein Versuch, die Gewaltspirale zu unterbrechen.

Genau. Gandhi ist später einen Schritt weiter gegangen und hat gesagt: „Auge um Auge lässt die Welt erblinden.“ Und Jesus setzte noch einen drauf, als er erklärte: „Es ist sogar möglich, seine Feinde zu lieben.“

Weil selbst begrenzte Gewalt immer Verlierer kennt, während echte Liebe alle gewinnen lässt. 

 

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