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Aufbrüche wagen
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Aufbrüche wagen

Diplom-Theologin Doris Meyer-Ahlen
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Diplom-Theologin Doris Meyer-Ahlen,

Referentin für Familien- und Beziehungspastoral, Fulda
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Koffer packen. Badekleidung, Luftmatratze, T-Shirts, Hosen, Sonnenbrille, Reiseführer in die Tasche und los geht’s: nach Hause! Denn der Urlaub ist vorbei. Nach Hause aufbrechen… Umgekehrt fällt es zumeist leichter: Eine oder zwei freie Wochen liegen vor mir, ich habe mich lange darauf gefreut, manches vorbereitet, Pläne gemacht und lange Listen zusammengestellt. Listen von Orten, die ich gern sehen möchte, von Dingen, die ich gern erleben möchte. Die Zeit ist begrenzt, einige Tage. Ich möchte sie bewusst füllen mit dem, was mir gerade wichtig ist, mit Entspannung und Aktivität. Im Urlaub suche ich nach der Sonnenseite des Lebens, ich suche nach dem Besonderen, dem Außergewöhnlichen, dem Unbekannten. In den Urlaubstagen sammle ich viele dieser Eindrücke, und sie verbinden sich zu meinem „Urlaubsbild“. Sie werden zu meiner Sicht auf einen Ort, eine Region oder ein Land. Dabei bin ich auch eher geneigt, Dinge zu übersehen, die mich stören. Und dann kehre ich zurück in meinen Alltag, in mein Lebensumfeld. Wie wäre es denn, wenn ich mich genauso auf diese Rückkehr vorbereiten würde, wie auf einen Aufbruch an einen Ort, von dem ich Besonderes erwarte? Wann habe ich mir eigentlich das letzte Mal bewusst ein Detail in der Kirche meines Heimatortes angesehen? Das ist schon ziemlich lange her. Oder ich entdecke ein neues kleines Café, weil ich bewusst einen anderen Weg gehe als üblich. Aufbrechen in das Bekannte, um das Unbekannte zu finden. Mit etwas urlaubsbedingtem Abstand möchte ich neben einem neuen Blick auf Orte auch einen neuen Blick auf die Menschen wagen, mit denen ich lebe und arbeite. Wie oft lege ich einen anderen Menschen schon auf das fest, was ich von ihm kenne, auf mein Bild von ihm oder ihr. Aber mit ehrlichem Interesse am anderen kann ich im Gespräch bestimmt etwas finden, kommt Unbekanntes, Überraschendes zum Vorschein. Alles Neue, alles Schöne und Überraschende von Menschen und Orten, was ich entdecken kann, wenn ich es entdecken möchte, relativiert mir so manche Unzulänglichkeit und Tristheit. Also Koffer packen: Aus dem Urlaubsregal nehme ich mit: möglichst viel Ruhe und Gelassenheit, Neugier und viel aufrichtiges Interesse am anderen.

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