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Auf den Hund gekommen
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Auf den Hund gekommen

Dr. Klaus Dorn
Ein Beitrag von

Dr. Klaus Dorn,

em. Dozent am Kath.-Theol. Seminar, Marburg
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 „Wer meinen Hund nicht mag, den mag ich auch nicht. Hunde sind mir lieber als Menschen.“ Das sagte eine Frau in die Runde eines Volkshochschulkurses. Sie hatte ihren Hund natürlich gleich mitgebracht.

Ich selbst mag Hunde, ich bin mit Hunden groß geworden. Wenn ich richtig zähle, gab es in meinem Elternhaus bis zu meiner Jugend der Reihe nach fünf Hunde, alle aus verschiedenen Rassen. Es waren allesamt schöne und kluge Tiere und meine Geschwister und ich ließen uns allerlei einfallen, um mit ihnen zu spielen. Aber der Spruch dieser Frau geht mir dann doch zu weit. Wenn so ein Tier auf mich zugerannt kommt und der Besitzer aus fünfzig Meter ruft: „Der tut nichts, der will nur spielen“, pflege ich daher dem Besitzer zu antworten: „Aber ich nicht.“ „Tierliebe scheint heute eine Tugend von universellem Wert zu sein“, schrieb vor kurzem ein Autor in einer Wochenzeitung. Das spiegelt sich in dem wider, was für Tiere ausgegeben wird. Ein Ring Fleischwurst kostet sechs Euro sechzig pro Kilo, so in der letzten Anzeige eines Lebensmittelsupermarktes. Diverse Hunde- und Katzenfutter gehen preislich locker ins Dreifache, und zwar im Sonderangebot. Hundeadventskalender – auch die gibt es – wurden unlängst für fünfzehn Euro angeboten. Deshalb sind die Zeiten, in denen sich Menschen mit Minirente oder Obdachlose mit Tierfutter ernährten, schon lange vorbei.  Vielleicht erinnern sie sich ja noch an den Werbespot, in dem Frauchen das Futter ihres tierischen Lieblings mit einem Zweiglein Petersilie dekorierte und sich anschließend verstohlen die manikürte Fingerspitze ableckte.

Schon längst gibt es auch Haustierkrankenversicherungen, mit oder ohne Selbstbehalt, mit oder ohne Obergrenze, Vorerkrankungen ein- oder ausgeschlossen, bis maximal zum siebten Lebensjahr beim Hund, und vieles mehr. Das Ganze ist, wie auch beim Menschen, so undurchsichtig wie der Dschungel im Amazonasbecken.

Diese überbordende Tierliebe hat für mich persönlich ein bedenkliches Level erreicht. Selbstverständlich wissen wir, dass auch Tiere intelligent sind und natürliche Werkzeuge benutzen können. Erst vor wenigen Tagen fiel eine Walnuss aus heiterem Himmel neben mir auf die Straße. Ein Rabe hatte sie abgeworfen, um die Schale zu knacken. Wir Menschen sind also ganz offensichtlich nicht die einzigen lernfähigen Wesen. Unser Status rechtfertigt jedenfalls nicht, Tiere zu missbrauchen, zu quälen oder ohne Anlass zu töten. Aber insgesamt ist für mich die Kommunikation mit meinesgleichen dann doch um einiges ergiebiger, sinnvoller und letzten Endes vielleicht auch natürlicher.

Wenn Sie einen Hund haben, wünsche ich Ihnen für den heutigen Tag viel Freude mit ihm. Noch mehr Freude wünsche ich Ihnen aber in der Begegnung mit ihrem Partner, mit Kindern und Enkeln, mit Freunden und Nachbarn, aber auch mit Menschen, die Ihnen zufällig begegnen. Schenken  Sie auch Ihnen ein Lächeln. Ich bin mir sicher, es kommt zurück.

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