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We give second chances
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We give second chances

Martin Vorländer
Ein Beitrag von

Martin Vorländer,

Evangelischer Pfarrer und Theologischer Redakteur im Medienhaus Frankfurt
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In dem Sandwich Laden bei mir um die Ecke hängt eine Tafel an der Wand. Darauf steht in Großbuchstaben: „In diesem Haus“. Und dann folgt kleiner gedruckt: „In diesem Haus sind wir ehrlich. Wir machen Fehler. Wir sagen: Es tut mir leid. Wir geben zweite Chancen. Wir umarmen, wenn einer eine Umarmung braucht. Wir sind geduldig.“ Am Schluss steht wieder in Großbuchstaben: „Wir lieben Sandwiches.“

Mir gefällt die Tafel. Ich weiß zwar nicht, ob ich von der Frau an der Theke umarmt werden will. Und der Spruch an der Wand gibt mir auch keine Garantie dafür, dass die Sandwiches wirklich so frisch sind, wie die Speisekarte verspricht. Aber immerhin: Die Betreiber des Ladens formulieren einen Selbstanspruch. Sie hängen sich Maßstäbe an die Wand, an denen sie sich messen lassen.

In der Bibel gibt es auch solche Haustafeln, also solche Herzenssätze, wie Christen miteinander leben wollen. Da steht zum Beispiel im Neuen Testament: „Wir belügen uns nicht. Wir reden nicht schlecht über andere. Wir können auch gut streiten, aber wir versuchen, nicht mit Zorn auf den anderen den Tag zu beenden. Wir vergeben einander, so wie Gott uns vergibt.“ (Nach Epheser 4,25-32)

Wir vergeben einander. Der Satz ist mir besonders wichtig. Ich brauche es, dass der andere mir vergibt. Ich sage mal Sachen, die mir hinterher leid tun. Oder ich tue etwas, bei dem ich im Nachhinein merke: Das war falsch. Dann bin ich unendlich froh, wenn ich sagen kann: Es tut mir leid. Und der andere nagelt mich nicht darauf fest, sondern nimmt meine Entschuldigung an.

Auf der Tafel im Sandwich Laden bei mir um die Ecke heißt das so: „Wir geben zweite Chancen.“ Ein Herzenssatz, der sagt: Wir wollen, dass dieser Geist in unserem Haus weht. Klar sind wir auch mal nicht auf der Höhe dieses Programms. Aber dann erinnert die Tafel daran: Wir wollten doch, dass es hier anders zugeht.

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