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Schließ die Tür ab
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Schließ die Tür ab

Dr. Peter Kristen
Ein Beitrag von

Dr. Peter Kristen,

Evangelischer Pfarrer und Studienleiter, Religionspädagogisches Institut Darmstadt

„Hast Du die Tür abgeschlossen?“ Meine Frau fragt mich das oft, wenn wir das Haus verlassen. Sie hat in ihrem Elternhaus einen Einbruch erlebt. Da kann etwas vom Gefühl der Sicherheit und Geborgenheit verlorengehen, das man davor ganz selbstverständlich hatte. Vielleicht ist sie deshalb besorgter, als ich es bin. 

Andere sind da auch eher wie ich. In einem Psalm betet einer: "In Frieden kann ich schlafen gehen, denn du allein, Herr sorgst dafür, dass ich hier sicher wohnen kann." (Psalm 4,9)

Sicherheit, lateinisch heißt das securitas. Das Wort kommt von „sine cure“, ohne Sorge. In unserer Zeit ist es aber wirklich schwer, um die Sicherheit ohne Sorge zu sein. Alles Mögliche wird versichert: Krankheitskosten und Pflege, aber auch das Auto und das eigene Leben. Der Sicherheitsgurt im Auto ist genauso selbstverständlich geworden wie die Sicherheitspfosten für den Weihnachtsmarkt, Personenscanner am Flughafen und die Taschenkontrolle im Fußballstadion. Um diese Dinge müssen wir uns wirklich kümmern und sorgen.

Natürlich hat auch der Psalmbeter damals viele Gefahren gekannt, die sein Leben bedroht haben. Er scheint damit aber viel gelassener umzugehen. Dass ich hier sicher wohne, betet er, das hängt nicht von der Sicherheit ab, die ich schaffe, sondern von dir, Gott. 
Auch Jesus hat ja nicht gerade in sicheren Zeiten gelebt. Trotzdem war er alles andere als ein Versicherungsvertreter. „Sorgt euch nicht“, sagt auch er. „Euer himmlischer Vater weiß doch, was ihr braucht. Macht euch keine Sorgen um den kommenden Tag, der wird schon für sich selber sorgen.“ (Matthäus 6, 25ff.)

Der Psalmbeter und Jesus sind sich darin einig: Für ihre letzte Sicherheit können sie nicht selbst sorgen. Ich verstehe das so: Sich um die Sicherheit so gut es geht zu kümmern, das ist notwendig, aber sich dann noch weiter Sorgen zu machen, das ist zu viel. 

Klar, ich schließe heute die Haustüre ab, aber ich dreh den Schlüssel nicht bekümmert und voller Sorge um. Ich denk an den Psalmvers: „Du allein, Herr sorgst dafür, dass ich hier sicher wohnen kann. 

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