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Schlaraffenland
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Schlaraffenland

Dr. Burkhard Freiherr von Dörnberg
Ein Beitrag von

Dr. Burkhard Freiherr von Dörnberg,

Evangelischer Pfarrer, Issigheim / Bruchköbel
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Es ist ihre erste Kreuzfahrt. Anlässlich der Goldenen Hochzeit. Auf dem Mittelmeer.
So etwas hätten sie sich damals nicht träumen lassen, bei der Grünen Hochzeit. Die Aussteuer zur Hochzeit, das waren damals eine Bratpfanne, ein Kleid und ein Tischservice. Zur Feier haben die Tanten gekocht.
Und jetzt stehen die beiden da. In einem von zwölf Restaurants auf dem Ozeanriesen. Überwältigt vom Buffet. Sie kommen aus dem Staunen kaum raus. So viel Essen!
Ein Schlaraffenland.

Joel, ein Prophet aus dem Alten Testament hat ein ähnliches Bild vom Schlaraffenland. Bei ihm wir das so beschrieben:
Siehe, ich will euch Getreide, Wein und Öl die Fülle schicken, damit ihr genug haben sollt“ (Joel 2,19)
Die Bibel meint: Wo wir „Fülle“ erleben, da wird schon jetzt etwas von der Fülle Gottes spürbar, die auf uns wartet.

Und doch haben die beiden Kreuzfahrer das Gefühl: Hier ist eigentlich etwas zu viel Schlaraffenland.
Wer soll das alles essen?
Wird da nicht auf dem Rücken anderer geschlemmt?
Ertrinken nicht im gleichen Meer, auf dem sie schippern, Flüchtlinge?
Bekommen die Philippiner, die für sie arbeiten, nicht viel zu wenig Geld?
„Andererseits“, so sagt ihr Ehemann, „andererseits haben die so wenigstens Geld, um ihre Familien überhaupt zu ernähren.“

Nachdenklich schauen die beiden sich an. „Na ja“, sagt sie. „na ja, schon. Und können wir nicht auch dankbar dafür sein, dass wir uns das einmal leisten können?“
Und er nickt und sagt: „Können wir. Und vielleicht fällt uns ja auch was ein, wie wir von unserem Überfluss etwas weitergeben können. An Menschen, die es brauchen.“
Ich glaube: Wer anfängt, so zu denken, der ist schon auf der Spur der Verheißung aus Joel: „Genug sollt ihr haben.“ (Joel 2,19)Genug auch für andere.

 

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