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Rauskonfirmiert?
Bild: Pixabay

Rauskonfirmiert?

Dr. Peter Kristen
Ein Beitrag von

Dr. Peter Kristen,

Evangelischer Pfarrer und Studienleiter, Religionspädagogisches Institut Darmstadt

Anfang Mai, das ist die Zeit für Konfirmationen. Evangelische Jungs und Mädchen haben sich in ihrer Konfigruppe darauf vorbereitet. Weil sie meist als ganz kleine Kinder getauft worden sind, beschäftigen sie sich jetzt als Jugendliche mit dem Christsein, um dann – bei der Konfirmation – zu bestätigen, dass sie Christ sein und Mitglied der Kirche bleiben wollen. „Und danach sind sie auf einmal weg“, sagt ein Kollege, ein Pfarrer. „Erst noch ein großes Fest, Riesen-Geschenke und dann siehst du sie in der Kirche nie wieder.- Rauskonfirmiert.“

Und er meint weiter: „Na, ehrlich gesagt, die ganz anstrengenden bin ich gerne los. Aber bei anderen bin ich schon enttäuscht. Ob bei denen überhaupt irgendetwas von dem hängengeblieben ist, was wir da gemeinsam erlebt haben?“ Er erzählt weiter: Vor kurzem hat er eine seiner Konfirmandinnen wieder gesehen, nach zwölf Jahren. Am Telefon hatte schon ihr Vorname ihn daran erinnert, wie schwierig es damals mit ihr war im Unterricht. Jetzt ist sie verheiratet und möchte ihr Kind taufen lassen. Sie sagt: „Da kommen nur Sie für mich in Frage. Sie haben mich doch konfirmiert.“

Ein paar Tage später sitzt mein Kollege im Wohnzimmer der jungen Familie. Aus der rebellischen Konfirmandin ist eine selbstbewusste junge Frau geworden, mit Mann und Töchterchen Nina. Sie reden über ihr Studium, den ersten Job, die Schwangerschaft und wie sie sich als Familie organisieren. Es geht um Paten und die Lieder im Gottesdienst.

Als sie auf den Taufvers für die kleine Nina zu sprechen kommen, greift die Mutter zur Brieftasche. „Warten Sie“, sagt sie, „den hab ich ja hier.“ Zwischen ihrer Bankkarte und dem Personalausweis, der Kreditkarte und einem Bild von ihrem Mann zieht sie ein eingeschweißtes Kärtchen hervor. „Wissen Sie noch“, fragt sie, „die haben wir damals in Konfi gebastelt. Alle haben ihren Lieblings-Bibelvers schön abgeschrieben und verziert. Das hier ist meiner. Den will ich jetzt mit Nina teilen."

Sie legt das kleine Kärtchen mit dem großen roten Herz drauf auf den Wohnzimmertisch. „Gott ist Liebe“, sagt sie auswendig, „und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott, und Gott in ihm. (1.Johannes 4,16). Das passt doch super, oder?“ „Ja“, das passt super, hat mein Kollege gesagt und war ein bisschen – beschämt.

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