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hr4 Karfreitagsgottesdienst - Befiehl du deine Wege
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hr4 Karfreitagsgottesdienst - Befiehl du deine Wege

Claudia Sattler
Ein Beitrag von

Claudia Sattler,

Evangelische Pfarrerin, Herborn
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hr4 Karfreitagsgottesdienst aus der Evangelischen Friedenskirche in Frankfurt/Gallus
2. April 2021, 10.05 - 11.00 Uhr

Willkommen! Sie finden hier:

  • Hier und direkt auf dieser Seite oben mit dem Button können Sie den Gottesdienst nachhören.
  • Das Lied "Befiehl Du Deine Wege" aus dem Evanglischen Gesangbuch 361, 1-4, Gotteslob 418, als Grundlage für die Predigt
  • Die Predigt von Pfarrerin Claudia Sattler
  • Die Mitwirkenden im Gottesdienst
  • Einen Hinweis, wie Sie sich an der Kollekte beteiligen können, wenn Sie das möchten.
  • Die Pressemeldung, u.a. mit einem Foto der Friedenskirche. Die Website der Gemeinde Frieden und Versöhnung finden Sie hier.
  • Am Karfreitag waren für Sie Pfarrerin Claudia Sattler und ein Team von Telefonseelsorgenden erreichbar von 11-13 Uhr. Nach jedem hr4 Gottesdienst können Sie mit der Pfarrerin, dem Pfarrer und weiteren Seelsorgerinnen und Seelsorgern sprechen.

Befiehl Du Deine Wege, Evangelisches Gesangbuch 361, 1-4 Text: Paul Gerhardt, Gotteslob Nr. 418

1. Befiehl du deine Wege
und was dein Herze kränkt
der allertreusten Pflege
des, der den Himmel lenkt.
Der Wolken, Luft und Winden
gibt Wege, Lauf und Bahn,
der wird auch Wege finden,
da dein Fuß gehen kann.

2. Dem Herren musst du trauen,
wenn dir’s soll wohlergehn;
auf sein Werk musst du schauen,
wenn dein Werk soll bestehn.
Mit Sorgen und mit Grämen
und mit selbsteigner Pein
lässt Gott sich gar nichts nehmen,
es muss erbeten sein.

3. Dein ewge Treu und Gnade,
o Vater, weiß und sieht,
was gut sei oder schade
dem sterblichen Geblüt;
und was du dann erlesen,
das treibst du, starker Held,
und bringst zum Stand und Wesen,
was deinem Rat gefällt.

4. Weg hast du allerwegen,
an Mitteln fehlt dir’s nicht;
dein Tun ist lauter Segen,
dein Gang ist lauter Licht;
dein Werk kann niemand hindern,
dein Arbeit darf nicht ruhn,
wenn du, was deinen Kindern
ersprießlich ist, willst tun.

Predigt von Pfarrerin Claudia Sattler

Liebe Hörerinnen, liebe Hörer,

Karfreitag ist ein stiller Tag. Ein Tag, an dem wir auf die dunklen Seiten des Lebens schauen. Auf Jesus am Kreuz und auf die Kreuze und die Tiefpunkte in unserem Leben. Aber Karfreitag ist auch ein Tag, an dem neue Hoffnung aufkeimt: Die Hoffnung, dass Gott uns in diesen Tiefen nicht allein lässt und neue Wege für uns findet, Wege ins Leben.

Karfreitag: Erinnerung und Hoffnung

Karfreitag: Erinnerung und Hoffnung. Wann ist Ihnen Gott näher: Wenn es Ihnen gut geht und Sie dankbar sind. Oder wenn Sie in Not sind und in schweren Zeiten hoffen- einfach hoffen, dass es wieder gut wird. Ich glaube: Beide Erfahrungen gehören zusammen. Helle Zeiten und dunkle Zeiten gehören zu dem, was wir erleben. Oft ist es doch so: Wir können erst dann ehrlich auf die dunklen Seiten schauen, wenn es uns wieder besser geht.

Gott findet auch im Tod noch einen Weg

So war das auch bei den ersten Christen. Sie haben erlebt, was mit Jesus geschehen ist, damals am Kreuz. Aber so richtig darauf schauen und darüber reden konnten sie erst nach Ostern. Als sie erfahren haben: Jesus lebt. Sie haben erfahren: Gott findet auch im Tod noch einen Weg. Da, wo es eigentlich nichts mehr zu hoffen gibt. Gott hat Jesus von den Toten auferweckt. Gott findet Wege, die wir gehen können. Überraschend. Wunderbar.

Jesus stirbt am Kreuz

Aus dieser Erfahrung heraus trauen sich die ersten Christen, zurückzublicken auf das Kreuz und den Tod von Jesus. Sie erzählen, wie es war, Jesus sterben zu sehen. Wie leidvoll es gewesen ist, ihn da hängen zu sehen – so erbärmlich und hilflos. Sie erinnern sich, wie ohnmächtig sie da standen. Wie alle ihre Hoffnungen zerplatzten. Doch jetzt trauen sie sich, zurückzuschauen auf das Dunkle und die schmerzhaften Erinnerungen. Auch heute gibt es diese Erinnerungen, wie Menschen es durch das Dunkel ins Licht schaffen.

Zum Beispiel Doris: Sie hat es durch Dunkel ans Licht geschafft

Ich denke dabei an Doris. Sie hat mir erlaubt, von ihr zu erzählen. Doris hat heute einen Job in einem Verpackungsunternehmen. Es geht ihr gut. Sie hat ein kleines, aber festes Einkommen, eine kleine, gemütliche Wohnung und mit ihrer Arbeit eine Aufgabe. Sie wird gebraucht. Für all das ist sie dankbar, sehr dankbar. Denn Doris weiß auch, wie es ist, wenn man keine Arbeit hat. Sieben Jahre lang ist sie arbeitslos gewesen oder konnte nur gelegentlich einen Aushilfsjob ergattern. Das war ein dunkles Tal, durch das sie gegangen ist. Sie wurde nicht gebraucht. Keine Firma hatte Platz für sie. Es ist extrem schwer gewesen, noch auf einen Lichtblick am Ende des Tunnels zu hoffen. Und doch sind Wege aus dem Dunkel das, was wir brauchen! Gott sei Dank.

Karfreitag ist nicht nur ein dunkler Tag

Karfreitag ist nicht nur eine Geschichte über das Dunkle, sondern über die Wege, die Gott aus dem Dunkeln herausführt. Davon mehr nach dem Lied "Befiehl du deine Wege". Das Lied hat schon vielen Menschen Trost gegeben und hat sie vertrauen lassen: Gott weiß den Weg für mich. Wir hören es jetzt nach einem Satz von Jürgen Essl. Es steht im Evangelischen Gesangbuch unter der Nummer 361 und im Gotteslob Nummer 418.

Musik: Befiehl du deine Wege, Satz Jürgen Essl

Ich habe von Doris erzählt. Jetzt geht es ihr gut. Durch die ganze schwere Zeit hat sie sich an dem Gedanken festgeklammert: „Du, Gott, weißt einen Weg für mich. Ich sehe keinen, aber du wirst schon einen finden.“ Das hat ihr Kraft gegeben und Hoffnung gemacht. Es trägt sie immer noch.

An Karfreitag hat alles Platz, was schwer und schmerzhaft ist

Karfreitag ist ein Tag, an dem wir uns erinnern, wie Menschen es durch das Dunkel geschafft haben. Aber viele von uns sind noch nicht soweit. Stecken noch mitten drin im dunklen Tal und wissen noch nicht, wie sie da wieder rauskommen. Heute an Karfreitag hat das Platz. Alles, was schwer ist und schmerzhaft: Hier darf es sein. Ich glaube: Wir können das aushalten. Weil andere schon erlebt haben, wie Gott Wege durch das Dunkel findet. Mit diesen Erfahrungen der anderen im Rücken traue ich mich, zu hören, wie groß die Not gerade ist. Wie viel Leid da ist – nicht nur durch die Pandemie. Es gibt so vieles, was das Leben schwer macht. Heute hat es Platz. Ich kann es aushalten und ehrlich hinsehen. Ich muss nicht weghören, muss die Not nicht kleinreden oder Lösungen parat haben. Ich darf die Not aushalten, sie Gott hinhalten. Und ihn bitten neue Wege zu finden, die Not zu wandeln, aus dem Dunklen ins Licht zu führen. So wie er das bei Jesus gemacht hat, bei den Jüngerinnen und Jüngern und bei Doris. So wünsche ich mir das auch für all die, die jetzt im dunklen Tal stecken.

Zum Beispiel David: Durch die Pandemie zurückgeworfen auf sich selbst

Für David zum Beispiel. David ist freiberuflicher Musiker. Er darf seit über einem Jahr nicht mehr arbeiten. David liebt es, Chöre zu leiten. Musik zu machen, das ist sein Leben. Und jetzt darf er das nicht mehr. Nur noch Zuhause im stillen Kämmerlein. Das ist schlimm für ihn. Und natürlich ist es auch schlimm für ihn, kein Einkommen mehr zu haben. Nicht zu wissen, wie es existentiell weitergeht. Ohnmächtig muss er abwarten, wie andere entscheiden. David ist zurückgeworfen auf sich selbst und auf seinen Glauben. Und er sagt: Gott, du hast gesagt, du wirst für mich sorgen. Du wirst einen Weg finden. Dann mach das bitte auch. Er hält sich an Gott fest. Trotz allem und in allem. In dieser schweren Zeit wirft er sich Gott in die Arme und hofft, dass Gott ihn auffängt.

Jesus sagt am Kreuz: Vater, in deine Hände gebe ich mein Leben

Ich bin überzeugt: Karfreitag lässt uns nicht nur im Dunkeln stehen. Wir bleiben mit unserer Ohnmacht und unserem Leid nicht allein. Karfreitag ist für mich auch ein Tag, der von der Hoffnung erzählt, dass Gott neue Wege für uns findet. Wege ins Leben. Wege, die hindurchführen durch alle Not. Jesus am Kreuz hat gesagt: „Vater, in deine Hände gebe ich mein Leben.“ Was das bedeutet, wenn ich nicht mehr weiter weiß, davon mehr nach der Musik, ein Adagio von Tomaso Albinoni.

Musik: Adagio von Tomaso Albinoni

Selbst in der dunkelsten Stunde, im Sterben, redet Jesus mit Gott wie mit einem Vater. Vater, in deine Hände gebe ich mein Leben, betet er. Jesus hält daran fest, auf Gott zu vertrauen: Gott, du lässt mich auch in größter Not nicht im Stich. Dir habe ich mein Leben lang vertraut, dir vertraue ich auch jetzt im Sterben. Du hilfst mir hier durch.

Unter dem Kreuz sieht man Ostern nicht

Jesus hat sich in die Hände Gottes gebetet: Vater, in deine Hände gebe ich mein Leben. Kann ich das nachsprechen? Kann das jemand nachsprechen, der gerade im Dunkeln ist? Unter dem Kreuz sieht man Ostern nicht. Da ist es doch eher wie ein Tasten. Oder wie ein Stammeln: Gott, bist du mir nahe? Weißt du einen Weg? Oder verlaufe ich mich. Bleibe stecken in meinem Morast? Gott, bleib doch bei mir und zeig mir den Weg!

Gott hat mich herausgeführt aus der Dunkelheit

So hat Doris das auch erlebt. Sie erinnert sich an Tage, an denen sie verzweifelt war. Und nicht erkennen konnte, dass Gott an ihrer Seite ist. Auch heute sind diese dunklen Zeiten nicht weg. Sie haben sich eingebrannt in ihre Seele, stecken noch tief unter der Haut. Aber mit all diesen Erfahrungen hat sie herausgefunden aus dem Dunkel. Sie sagt: Gott hat mich herausgeführt. Sie weiß, für was sie da ist. Sie hat wieder Freude am Leben.

Befiehl du deine Wege und was dein Herze kränkt

Diese Erinnerungen, wie Menschen durch das dunkle Tal gegangen sind, brauchen wir. Wie gut, dass die Jüngerinnen und Jünger sich getraut haben, die schmerzhaften Erinnerungen auszuhalten davon zu erzählen. Diese Erinnerungen brauchen wir, wenn wir mitten in dunklen Zeiten stecken oder wenn sie noch vor uns liegen. Mir geben sie Zuversicht: Ich kann mit Gottes Hilfe auf diese dunklen Zeiten zurückschauen. Heute. Oder morgen. Oder irgendwann. Heute oder morgen oder irgendwann kann ich nachsprechen oder mitsingen: Befiehl du deine Wege und was dein Herze kränkt, der allertreusten Pflege des der den Himmel lenkt. Der Wolken, Luft und Winden gibt Wege, Lauf und Bahn, der wird auch Wege finden, da dein Fuß gehen kann. Amen.

Mitwirkende hr4 Karfreitagsgottesdienst

Liturgie + Predigt: Pfarrerin Claudia Sattler
Moderation und Lesung: hr4 Moderator Hermann Hillebrand
Musik: Mona Debus (Sopran), Christa Löffler (Alt), Michael Brauer (Tenor), Andreas Balzer (Bass), Gesine Kalbhenn-Rzepka (Violine), Sabine Galande-Heep (Violoncello), Jens Amend, Orgel
Musikalische Leitung und Truhenorgel: Regina Zimmermann-Emde
Kirchliche Leitung: Pfarrerin Heidrun Dörken

Kollekte

Zur Kollekte können diejenigen beitragen, die etwas spenden wollen für ein Projekt für Mütter in schwierigen Lagen im Lahn-Dillkreis. Der Verein „Auszeit e.V.“ bietet praktische Hilfe, wenn Mütter nicht mehr weiter wissen. Er schafft den Müttern eine Auszeit. Selbst im Lockdown wird Notfallbetreuung angeboten. Auszeit e.V., Sparkasse Dillenburg, DE98 5165 0045 0000 0566 14, BIC HELADEF1DIL.

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