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"Jetzt ist auch schon wieder alles vorbei"
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"Jetzt ist auch schon wieder alles vorbei"

Pia Arnold-Rammé
Ein Beitrag von

Pia Arnold-Rammé,

Katholische Pastoralreferentin, Referentin für Sozialpastoral, Frankfurt
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„Jetzt ist auch schon wieder alles vorbei“ - so der Spruch einer Freundin nach den Feiertagen. Auch am Ende einer Geburtstagsfeier oder eines größeren Familienfestes sagt sie diesen Spruch ganz oft. Ich bin mir dann nie ganz sicher, wie sie es meint: Ist sie traurig darüber, dass alles schon wieder vorbei ist, oder froh, dass sie diese Tage endlich überstanden hat? Vom Tonfall her könnte es auch einfach eine Feststellung sein: die Feiertage sind vorbei – so ist es eben.

Heute, am zweiten Januar, passt diese Feststellung ganz gut. Die Weihnachtsfeiertage sind schon länger vorbei, Silvester und Neujahr liegen auch hinter uns, und jetzt beginnt der ganz normale Alltagstrott wieder. Und das hat ja vielleicht auch beide Anteile. Einerseits bin ich traurig: schöne Feiern sind zu Ende, ich muss wieder arbeiten, mein ganz normaler Alltag ist wieder da. Aber andererseits: Das ist doch auch gut so. Immer nur Weihnachten – das wäre ja furchtbar!

Es gibt eine Erzählung von Heinrich Böll, die das sarkastisch überzieht. Weil eine alte Erbtante dement ist und Weihnachten so toll findet, muss die ganze Familie das ganze Jahr immer wieder Weihnachten feiern. Es ist eher eine Tragödie, mit witzigen Momenten. Natürlich wäre das im wirklichen Leben ja auch unvorstellbar. Trotzdem führt mir diese Erzählung noch einmal vor Augen: Es ist gut, dass es nicht nur Hoch-zeiten und Feste gibt.

Auch das ganz normale Alltagsleben hat seinen Reiz. Und gerade nach einer längeren Zeit für Feste und zum Feiern wird mir das besonders deutlich. Deshalb will ich auch gar nicht rumjammern, dass ich heute wieder arbeiten muss. Alles hat seine Zeit, alles hat seine Stunde. Feste genießen kann ich nur, wenn es auch Tage ohne Feste gibt.  Und trotzdem hoffe ich auch: nicht alles ist jetzt vorbei, sondern die fröhliche Stimmung des Weihnachtsfestes und der Tage danach möchte ich gerne in meinen Alltag tragen. Ich hoffe sehr, dass es mir zumindest ein paar Tage lang gelingt. So ganz ist die Feststimmung dann vielleicht doch noch nicht vorbei.

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