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Im Anfang war das Wort
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Im Anfang war das Wort

Andrea Seeger
Ein Beitrag von

Andrea Seeger,

Evangelische Theologin und Redakteurin der Evangelischen Sonntags-Zeitung

„Du siehst ja heute gar nicht gut aus.“ Oder: „Deinen neuen Freund habe ich mir ganz anders vorgestellt.“
Erste Sätze zum Auftakt eines Smalltalks, eines netten kleinen Gespräches. Mit diesen Aussagen dürfte der Start zur leichten Plauderei allerdings reichlich missglückt sein.
Wer hört schon gerne, dass er heute nicht so gut aussieht?
Und die ganz andere Vorstellung vom Freund war nochmal wie? Dass er doch nicht so dick ist wie vermutet, mehr Haare hat als erwartet oder doch nicht kleiner ist als sie.
Das trübt zwangsläufig die Stimmung. Aber so ein erster Satz ist raus, geistert im Kopf herum – bei dem, der ihn ausspricht, und bei dem, an den er sich richtet. Manchmal bekommt man mit viel Mühe gerade noch die Kurve zum unverfänglichen Ton. Meist aber gelingt das nicht. Das Gespräch ist blockiert, der Satz verweigert den Eintritt – wie ein Türsteher.

In der Bibel steht: „Im Anfang war das Wort.“ Das stimmt, kann ich nur sagen, wenn ich an meine missglückten Gesprächsauftakte denke. Das Wort am Anfang entscheidet. Wer weiß, wie verletzend ein erster Satz herauskommen kann, wird Wert darauf legen, Worte generell gut abzuwägen. Wenn sie zu leicht, zu banal, zu missverständlich daherkommen, taugen sie nicht. Dann nimmt man andere, es gibt ja genügend.

Manchmal braucht es nur einen winzigen Zusatz. Nehmen wir die Floskel „Na, wie geht’s?“ Wer so spricht, zeigt sich nicht wirklich interessiert an seinem Gegenüber. Wer aber genauer fragt: „Wie geht es Ihnen heute?“ signalisiert damit: Ich möchte wirklich wissen, wie es um Ihren Gefühlszustand gerade bestellt ist. Sie sind mir wichtig, ich möchte Ihnen zuhören. Ich nehme mir Zeit dafür.

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