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Ich habe Rücken
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Ich habe Rücken

Norbert Mecke
Ein Beitrag von

Norbert Mecke,

Dekan, Evangelischer Kirchenkreis Melsungen
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„Ich habe Rücken!“ – Ich könnte mich immer weglachen, wenn Hape Kerkeling mit diesem Satz in seiner Paraderolle als Horst Schlämmer auftritt.

Vor einiger Zeit fand ich´s nicht mehr so lustig. Da gehörte ich plötzlich zu den 69 Prozent der Deutschen, die unter Rückenschmerzen leiden. 20 Millionen Deutsche suchen deswegen jedes Jahr einen Arzt auf. Wer selbst dazugehört, lernt dabei viel über sich: Bei den einen muss etwas neu eingerenkt werden. Andere bekommen Massage und mehr Bewegung verordnet. Dritten wird durch ganzheitliche Diagnose klar, was und wie sie „buckeln“: Dass Stress oder die Lasten der Seele mitunter auch auf Haltung und Rückgrat drücken.

„Schätzelein, ich hab´ Rücken!“ Was bei Horst Schlämmer witzig klingt, fühlt sich leider alles andere als komisch an. Da fragt man besser den Arzt oder Apotheker als einen Komiker. Und einen Pfarrer?

Auf der therapeutischen Maßnahmenliste bei Rückenproblemen steht einiges, was durchaus auch ins kirchliche Ressort gehört.

Ein beachtlicher Teil der Zeit eines Pfarrers hat mit dem Einrenken zu tun: Zank, Missverständnisse, Beschwerden übereinander und die Frage nach Vergebung.

Da gehen durch einen Streit Niedergedrückte nach einem klärenden Gespräch wieder aufrecht aus dem Pfarramt nach Hause oder in ihre gemeinsamen Handlungsfelder. Oft eröffnet der Glaube neue Beweglichkeit, weil er Herzen wohltuend massiert und Gymnastik für die Seele ist: Ich erlebe, wie Gott mein Herz berührt und mich beherzten Schritts neu auf andere zugehen lässt.

Als ich´s im Rücken hatte, habe ich erlebt, dass ein Freund beim Möbelrücken sagte: „Lass mal. Das mache ich und Du kannst Deinen Rücken schonen!“ Tat das gut!

Da springt einer ein und entlastet mich. Als genauso einen Freund haben Menschen Jesus erlebt. Wo sie sich völlig mit ihrer Lebensgeschichte verrenkt hatten, gab er eine neue Chance. Vergebung und Neuanfang – das nimmt Lasten ab und lässt durchatmen.

Auch mit Blick auf das, was an diesem Tag auf mich wartet: Glaube ist das Vertrauen, nicht alles selbst buckeln zu müssen. Das hilft zur eigenen aufrechten Haltung: Zum Eingestehen von Fehlern, zum Einstehen für andere und die eigene Überzeugung.

„Hier stehe ich und kann nicht anders!“ – weil ich Halt im Rücken habe: Guten Rückhalt in meinem Gott!“

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