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Hoffentlich nicht ganz alleine!
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Hoffentlich nicht ganz alleine!

Andrea Maschke
Ein Beitrag von

Andrea Maschke,

Katholische Pastoralreferentin in Bad Homburg / Friedrichsdorf
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Vor einem Monat, am Allerseelentag, ist in einem italienischen Krankenhaus ein lieber Freund von mir an Corona gestorben. Roberto. Er war im fortgeschrittenen Alter und hatte Vorerkrankungen, ja, aber ich war trotzdem sehr traurig. Und dass er im Krankenhaus alleine sterben musste ohne seine Frau, die Kinder und Enkel, dass er sich von ihnen auch nicht mehr verabschieden konnte und sie sich von ihm, das hat mich sehr beschäftigt.

Herbei gebetet

Eine kleine Geschichte, die ich vor einiger Zeit gelesen und dann wieder heraus gesucht hatte, die hat mich ein wenig getröstet:

Ein älterer, bescheiden gekleideter Mann geht regelmäßig zur Mittagszeit in die Kirche und kurze Zeit später verlässt er sie wieder. Das fällt dem Pfarrer der Gemeinde auf und er stellt den Mann zur Rede, was er denn jeden Tag in der Kirche mache. Er würde beten, sagt der Mann. „Dafür, also, um wirklich zu beten,“ meint der Pfarrer verwundert, “wird die kurze Zeit ja wohl kaum reichen.“ Der ältere Mann erwidert: „Ich kann keine langen Gebete, aber ich komme jeden Tag um zwölf und sage: Jesus, hier ist Johannes.“

Der ich bin bei dir

Einige Zeit später muss dieser Johannes ins Krankenhaus. Den Ärztinnen und Ärzten und auch dem Pflegepersonal fällt auf, dass Johannes einen heilsamen Einfluss auch auf die anderen Patienten und Patientinnen hat. „Du wirkst immer so gelassen und heiter“, sagen die anderen zu ihm. „Ach dafür kann ich nichts, das kommt durch meinen Besucher“, antwortet Johannes. Alle wundern sich, denn sie haben noch nie jemanden zu Johannes kommen sehen, anscheinend hat er keine Verwandten und auch keine engeren Freundinnen und Freunde. Schließlich fragt eine Schwester nach: „Wann kommt der denn, dein Besucher?“ „Immer mittags um zwölf. Er kommt herein, stellt sich ans Fußende meines Bettes und sagt: Johannes, hier ist Jesus.“

Bitte für uns, jetzt und in der Stunde unseres Todes

Wieso ich diese Geschichte tröstlich finde? Ich hoffe so, dass es Roberto ähnlich ergangen ist. Denn Roberto hat viel gebetet, sein Leben lang. Eigentlich kenne ich kaum jemanden, der so viel gebetet hat. Wir haben manchmal auch darüber gesprochen, übers Beten. Am Ende des Tischgebets hat er immer noch eine kurze Bitte an Maria hinzugefügt. Und ich weiß nicht, wie viele unzählige Male er in seinem Leben beim Rosenkranz-Beten den Satz gesagt hat: „bitte für uns, jetzt und in der Stunde unseres Todes“.

Ja, ich hoffe tatsächlich, dass sie da waren, genau in diesen Momenten, in denen er seine Familie so vermisst hat, und dass er sie hören konnte: „Roberto, hier sind wir, Jesus und Maria.“

Ich bin bei Euch alle Tage

Auch in meiner Arbeit als Altenheimseelsorgerin treffe ich auf viele Menschen, die im Heim oder im Krankenhaus ihre Angehörigen lange Zeit nicht sehen können. Immer häufiger bete ich jetzt: Gott, wenn wir ganz alleine und einsam sind, dann sei du da – und lass uns das auch spüren!

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