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Fasching - oder: auf der Suche nach dem besten ICH
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Fasching - oder: auf der Suche nach dem besten ICH

Diplom-Theologin Doris Meyer-Ahlen
Ein Beitrag von

Diplom-Theologin Doris Meyer-Ahlen,

Referentin für Familien- und Beziehungspastoral, Fulda
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Irgendwann an einem grauen, regnerischen Nachmittag haben wir sie wieder geöffnet: die große Verkleidungskiste! Sofort muss ich den Raum verlassen. Unter der Regie unseres älteren Sohnes schlüpfen unsere beiden Jungs mit großem Spaß in die unterschiedlichsten Rollen. Das ist für sie die Faschingszeit: Ein anderes und für sie erstrebenswertes ICH im wörtlichen Sinne anziehen und ausprobieren.

Eine Kombination erstaunt mich dabei am meisten: Vor mir stehen ein Ritter mit einem Cowboyhut und ein Feuerwehrmann mit der Kopfbedeckung eines Polizisten – oder sind das etwa ein Cowboy in einer Rüstung und ein Polizist in einem Feuerwehranzug? Erstmal schwer zu sagen!

Doch dann verstehe ich es: Es ist wie im alltäglichen Leben: Menschen besitzen mehrere Seiten. Die berühmten zwei Seelen wohnen mindestens in der Brust der meisten. Das kenne ich auch:  In einer Situation bin ich stark und frei wie ein weiblicher „Hans im Glück“ – im nächsten Moment eher Schneewittchens von Neid zerfressene Stiefmutter. Oder in einer anderen Situation: In mir drinnen sieht es eher nach einer Horrorgestalt aus, aber nach außen gebe ich den Clown. Ich trage Masken! Ich spiele meine Rollen! Sicherlich geschieht das oft zu meinem Schutz und auch dem meiner Mitmenschen: Denn es erleichtert ungemein das alltägliche Zusammenleben, wenn jede und jeder den eigenen Platz gefunden hat und ausfüllt – oder zumindest so tut! Aber ist es das?

Die Bibeltexte in den katholischen Gottesdiensten am kommenden Wochenende sprechen eine klare Sprache: In der Lesung des alttestamentlichen Gelehrten Jesus Sirach heißt es: „Im Sieb bleibt, wenn man es schüttelt, der Abfall zurück; so entdeckt man die Fehler eines Menschen, wenn man über ihn nachdenkt!“

Harte Worte. Ertappt! Ich kann also noch so schöne Masken tragen und doch wird das auffliegen, was ich zu überdecken versuche. Und erst recht die schwachen Eigenschaften!

Der Evangelisten Lukas schreibt ähnliches: „Ein guter Mensch bringt Gutes hervor, weil in seinem Herzen Gutes ist; und ein böser Mensch bringt Böses hervor, weil in seinem Herzen Böses ist. Wovon das Herz voll ist, davon spricht der Mund.“

Alle Maskerade ist also sinnlos. Das klingt erstmal ernüchternd: Das mühsam aufgebaute Ich – es hat Risse. Mein wahres Ich kommt sowieso durch!

Aber auf den zweiten Blick spüre ich Erleichterung: Ich kann und darf mein Gesicht ungeschönt zeigen. Im Sinne Jesus bedeutet es natürlich: Entscheide dich für die gute Seite. Suche das Gute und bringe es in dir zum Blühen! Glaube! Und das wird sich dann in Deinen Worten und Taten zeigen.

So einfach wie es gesagt ist, so schwer ist die tatsächliche Umsetzung. Und doch erinnert es mich daran, die wahre und zugleich beste Version meines ICHs ans Tageslicht zu bringen. Das wird sicherlich kein makelloses Prinzessinnengesicht sein. Aber eines, welches mit liebendem Blick nach dem Guten in sich selbst und in den anderen sucht! Aber das ist der nächste Schritt…

Erstmal rücken die närrischen Tage näher – und vielleicht wähle ich in diesem Jahr bewusst eine Verkleidung, die mein wahres ICH betont, statt ein ganz anderes auszuprobieren. Mal sehen, was unsere Verkleidungskiste dafür hergibt…

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