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Das Reich Gottes ist mitten unter euch
Bild: Pixabay

Das Reich Gottes ist mitten unter euch

Dr. Anke Spory
Ein Beitrag von

Dr. Anke Spory,

Evangelische Pfarrerin, Bad Homburg-Gonzenheim

Das Reich Gottes ist mitten unter euch, so heißt es an vielen Stellen im Neuen Testament. Wenn in der Bibel vom Reich Gottes gesprochen wird, dann ist damit gemeint, dass Menschen nicht mehr über andere Menschen herrschen, sondern sie friedlich miteinander leben. Jesus sagt, das Reich Gottes ist mitten unter euch. Jesus spricht also nicht nur von der Zukunft. Dann hätte er gesagt: Das Reich Gottes wird irgendwann kommen. Er sagt mehr:, Es ist schon da!

Das ist schwer zu glauben. Wir sehen täglich Bilder, wo Menschen über andere herrschen, wo Menschen bedroht sind und ihnen Gewalt angetan wird. Manchmal wünsche ich mir, dass Gott dem allen ein Ende macht. Dass er auf das Leiden und den Schrecken mit der gleichen Gewalt antwortet, die Menschen anderen antun. Jesus findet für Gottes Macht andere Bilder. Er sagt: Gottes Reich gleicht einem Senfkorn, das ein Mensch nahm und in seinem Garten säte und es wuchs und wurde ein Baum. Wie stark und ungewöhnlich das Bild ist, liegt daran, dass ein Senfkorn ein ausgesprochen kleines Korn ist. Und ausgerechnet aus ihm soll ein Baum werden, in dem sich die Vögel niederlassen können.

So wie Jesus vom Reich Gottes spricht, hat seine Zuhörer damals erstaunt und erstaunt mich auch heute. Wie Gott herrscht, ist nicht vergleichbar mit menschlicher Herrschaft. Das Reich Gottes ist kein Imperium, keine Staatsgewalt, die militärisch abgesichert werden muss, kein tausendjähriges Reich. Das Reich Gottes beginnt klein wie ein winziges Korn und wird immer größer. Dazu gehört wachsen, werden, geschehen lassen, Geduld haben. Es hat eine sanfte Kraft, die alles verändert und erneuert. Es gibt etwas anderes als weltliche Macht, die sich mit Gewalt und Unterdrückung durchsetzt.

Jesus sagt: Das Reich Gottes ist mitten unter euch. Also, dann muss auch was davon zu sehen sein, auch hier und heute. Also schaue ich in, wo etwas davon zu sehen ist. Ich sehe es da wo Leid mitgetragen, Tränen abgewischt und Ängste genommen werden. Manchmal sehe ich es ganz in der Nachbarschaft, wo ein Jugendlicher doch noch die Kurve kriegt, weil Lehrer und Freunde mit viel Geduld immer wieder an ihm dranblieben, dass er die Ausbildung fertig macht, die er am liebsten hingeschmissen hätte. Manchmal höre ich davon in den Nachrichten, weil doch ein Abkommen gelungen ist, an das niemand geglaubt hat, so wie das mit dem Iran über Atomwaffen.

Ich denke an das Senfkorn, das wächst. Das Bild schützt mich davor, angesichts von Unrecht und Gewalt zu resignieren. So bekäme menschliche Macht das letzte Wort. Gottes Reich hat schon begonnen und eines Tages wird es ganz da sein. Gottes Reich geschieht fast unmerklich und unsichtbar. Erst am Ende wird es vollendet sein.

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