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Gute Vorsätze und schlechte Vorahnung
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Gute Vorsätze und schlechte Vorahnung

Alexandra Becker
Ein Beitrag von

Alexandra Becker,

Katholische Pastoralreferentin, Pfarrei St. Franziskus, Frankfurt

Zwei Monate alt ist es, das neue Jahr. Ich bin jedes Jahr wieder erstaunt, wie schnell das „Prosit Neujahr“ verklingt. 2018 fühlt sich für mich schon lange nicht mehr neu an. Gute Vorsätze habe ich mir dieses Mal gar nicht genommen. Vielleicht aus Selbstschutz, weil es mir häufig doch nicht gelingt.

Aber etwas anderes beschäftigt mich schon seit dem Jahreswechsel. Ich habe dieses Jahr viel weniger von guten Vorsätzen gehört. Aber von jeder Menge schlechter Vorahnungen. Gleich mehrere Artikel habe ich Anfang des Jahres gelesen, in denen die Frage nach der nahen Zukunft beantwortet werden sollte. Wie sieht unsere Welt aus in 10, 20 oder 30 Jahren? Alle diese Artikel ließen sich in einem Wort zusammenfassen: schlechter! Unsere Welt wird schlechter aussehen und uns wird es schlechter gehen. Maschinen werden uns unsere Arbeitsplätze wegnehmen, Klimakatastrophen sind ein ständiger Begleiter, die Altersarmut steigt und der Mensch vereinsamt vor seinen technischen Geräten.

Ich bin keine Prophetin, ich kann nicht sagen, wie die Welt in dreißig Jahren aussehen wird. Vielleicht wird es sogar noch schlimmer, als in den Artikeln beschrieben. Ich bin nicht naiv. Natürlich mache auch ich mir Sorgen, natürlich blicke ich auch ängstlich auf die Krisenherde dieser Welt, natürlich beunruhigt mich der Klimawandel und seine Folgen. Aber beim Lesen dieser Artikel wurde ich wirklich sauer. In 30 Jahren werde ich noch nicht einmal mein Renteneintrittsalter erreicht haben. Alle meine Freunde gründen gerade Familie oder sie investieren viel, um eine erfüllende Arbeit zu finden. Hätten sie diese Artikel geschrieben, wären die ganz anders ausgefallen. Natürlich müssen wir lernen, mit viel neuer Technik zu leben, aber vieles davon macht unser Leben auch deutlich angenehmer. Und manchmal macht es auch einfach nur Spaß.

Ich mag nicht glauben, dass in dreißig Jahren alles schlechter ist. Aber ich glaube: schlechte Vorahnungen sind nicht hilfreich. Natürlich wird wenig von sich aus einfach immer besser. Es braucht jede Menge Einsatz, Engagement und guten Willen, Selbstbewusstsein und auch Mut. Und natürlich Hoffnung und Optimismus. Das halte ich dann doch für einen guten Vorsatz, den ich mir gerne für den Rest des Jahres vornehme: weniger schlechte Vorahnung, dafür viel mehr Optimismus.

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