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Tag der Arbeit
Bildquelle. Pixabay

Tag der Arbeit

Norbert Mecke
Ein Beitrag von

Norbert Mecke,

Dekan, Evangelischer Kirchenkreis Melsungen
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Ein Witzbold hat mit Edding an eine Wand der Firmentoilette gekritzelt: „Habe heute Nacht von der Arbeit geträumt – weitere sechs Überstunden notiert.“
Wie viele Überstunden notiert man sich dann eigentlich an einem Feiertag, der von seinem Namen her ständig an Arbeit erinnert?!
„Tag der Arbeit“: Seine Ursprünge liegen im Amerika der Zeit der industriellen Revolution. Gegen die langen Arbeitszeiten in den neuen Fabriken gab es in Chicago einen ersten großen Generalstreik für einen Acht-Stunden-Arbeitstag, wohlgemerkt: statt bis dahin 12 Stunden! Der 1. Mai 1886 war sozusagen die Geburtsstunde für einen Tag der Arbeiterbewegung. Hätte man den Fabrikarbeitern von Chicago gesagt: „133 Jahre später werden viele Arbeitnehmer in Deutschland quasi Euretwegen frei haben!“ – sie hätten wohl ungläubig mit dem Kopf geschüttelt. Noch dazu, wenn sie gehört hätten, dass dieser freie Tag ausgerechnet „Tag der Arbeit“ heißt, in Frankreich sogar „Fest der Arbeit“.
Wir haben lieber Fest statt Arbeit, lieber „Chillen und Grillen“ statt „Rackern und Ackern“. Andererseits: Man darf den Wert von Arbeit nicht geringschätzen! Wir sollen die Erde bauen und bewahren. Im dauerhaften Chillmodus wird das nix. Es tut ja auch gut, einen Beitrag für das große Ganze zu leisten. Und wir müssen uns um unser Auskommen kümmern. Wie gut, sich das erarbeiten zu können! Und wer nicht mehr arbeiten kann, weil er die Stelle verliert oder in Ruhestand geht, merkt schnell, dass Arbeit unserem Tag eine wichtige Struktur gibt.

Der „Tag der Arbeit“ macht klar: Gute Arbeit ist etwas wert. Will gerecht bezahlt werden. Und es ist etwas wert, Arbeit zu haben. Mitunter muss man für beides kämpfen. Auf der Straße und in der Politik für gute Rahmenbedingungen. In der eigenen Einstellung um die Dankbarkeit, mit Kopf und Hand etwas leisten zu können für mich und andere.

Bevor aber die Ersten anfangen, am freien 1. Mai Überstunden aufzuschreiben, weil sie selbst übers Radio ständig an die Arbeit erinnert werden, eine zum heutigen Feiertag passende Einsicht Martin Luthers:
Man kann Gott nicht allein mit Arbeit dienen, sondern auch mit Feiern und Ruhen!“
Na dann, auf geht´s!“

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