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„Letzte Ölung“ oder „Krankensalbung“
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„Letzte Ölung“ oder „Krankensalbung“

Ein Beitrag von

Pater Andreas Meyer

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„Können Sie meinem Mann die letzte Ölung spenden?“ Die Frage bekomme ich als Krankenhausseelsorger oft gestellt. Und immer noch bleibe ich an diesem Wort hängen: „Letzte Ölung“. Schon vor über 40 Jahren wurde die in „Krankensalbung“ umbenannt. Und das war mehr als nur eine Namensänderung. Während die Letzte Ölung nur gespendet wurde, wenn der Tod ganz nahe war, hat die Krankensalbung einen viel weiteren Blickwinkel. Sie ist das Sakrament der Stärkung für kranke und gebrechliche Menschen. Die „Letzte Ölung“ sollte einem sterbenden Menschen den Weg in den Himmel eröffnen. Darum wurde sie erst kurz vor dem Tod gespendet.
Wenn jemand nach der Letzten Ölung fragt, erkläre ich deswegen oft, was die Krankensalbung bedeutet: Sie wird gefeiert, wenn ein Mensch schwer krank ist – zum Beispiel vor einer großen Operation oder wenn die Chemotherapie beginnt. Das sind Situationen, wo Menschen Unterstützung und Kraft brauchen. Die schenkt uns Gott. Und das wird in den Gebeten der Krankensalbung deutlich: Gott geht mit dir auf deinem Weg. Oft spüren alle, die an der Feier teilnehmen, dass da wirklich etwas rüberkommt.
Vor kurzem hat mich bei einer Krankensalbung der Patient allerdings sehr nachdenklich gemacht. Er hatte selbst nach der „Letzten Ölung“ gefragt. Und ich habe ihm die Weiterentwicklung zur Krankensalbung erklärt. Er hat einen Moment geschwiegen und dann gesagt: „Für mich ist es trotzdem die Letzte Ölung.“ Und er hatte eine sehr gute Erklärung bereit: „Bei der Taufe wurde ich zum ersten Mal in meinem Leben gesalbt. Es ist das Zeichen, dass Gott mich mit meinem Namen anspricht und in seinen Dienst nimmt. Bei der Firmung wurde ich wieder gesalbt. Das bedeutet: Gott hat mir seinen Geist geschenkt, der mich auf meinem Weg begleitet und mir immer wieder Mut macht. Und jetzt werde ich zum letzten Mal gesalbt: zur Stärkung für das letzte Stück auf meinem Lebensweg.“
Ehrlich gestanden: So hatte ich das noch nie gesehen. Und ich merke: diese Sicht auf die Krankensalbung wird mich noch weiter beschäftigen.

 

 

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