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Gründonnerstag durcheinandergewirbelt
Privat/Peter Kristen

Gründonnerstag durcheinandergewirbelt

Dr. Peter Kristen
Ein Beitrag von

Dr. Peter Kristen,

Evangelischer Pfarrer und Studienleiter, Religionspädagogisches Institut Darmstadt
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Am Hoftor unserer Nachbarn flattern einige bunte Luftballons im Wind. Zwei haben die Form von Zahlen, eine 2 und eine 5. Zusammengesetzt 25. Das sollte allen zeigen: Hier feiern wir unsere silberne Hochzeit. Kommt herein, stoßt mit uns an, feiert mit! Aber der Wind hat die Luftballons so herumgewirbelt, dass man die 25 nicht erkennen kann. Und Corona hat die Silberhochzeit ganz durcheinandergebracht. Die Feier ist verschoben, wie so vieles. Nur die Luftballons flattern noch im Wind. Schade! Denn Feiern gehört zum Leben.

Feste unterbrechen den Alltag

Ohne Feste gäbe es nur noch Alltage. Feste unterbrechen den Alltag, um Wichtiges und Besonderes miteinander zu feiern. Da gibt es etwas mit allen Sinnen zu erleben. Die Gäste erzählen oft noch lange davon.

Die Jungerinnen und Jünger wollten Pessach feiern

Am Donnerstag vor Ostern, unserem Gründonnerstag heute, haben sich auch die Jüngerinnen und Jünger Jesu auf ein Fest vorbereitet, das dann durcheinandergewirbelt wurde. Gemeinsam wollten sie - wie jedes Jahr - Pessach feiern. Mit allen Sinnen wollten sie sich daran erinnern, wie das biblische Volk Israel aus der Sklaverei in Ägypten befreit worden ist. Sie wollten sich stärken mit Brot und Wein, mit Liedern und Gebeten. Sie wollten miteinander feiern und fröhlich sein.

Das letzte Abendmahl

Aber der Abend verläuft ganz anders. Jesus sagt bei diesem, seinem letzten Abendmahl andere Worte als die traditionellen zum Fest. Er sieht seinen Tod kommen und sagt über dem Brot: „Das ist mein Leib.“ Und über dem Wein: „Das ist mein Blut.“ Und dann zu seinen Jüngerinnen und Jüngern: „Tut das zu meinem Gedächtnis.“ Nach seinem Tod am Kreuz und seiner Auferstehung haben das die ersten Christinnen und Christen getan. Sie haben Brot und Wein miteinander geteilt zum Gedächtnis an Jesus. Das Abendmahl vergewissert Christinnen und Christen:

Wieder ein Gründonnerstag ohne Abendmahl in der Kirche

Wir gehören mit Christus zusammen. Brot und Wein verbinden Mensch und Mensch und Gott und Mensch. Dieses Jahr werden wir zum zweiten Mal den Gründonnertag ohne Abendmahl in der Kirche feiern müssen, ohne Brot und Wein, ohne miteinander zu singen und ohne uns die Hände zum Friedensgruß zu reichen.

Unsere Nachbarn wollen ihre silberne Hochzeit nachfeiern, sobald es wieder geht. Darauf freue ich mich – und auch darauf, wenn ich wieder im Real Life mit anderen zusammen Abendmahl feiern kann.

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