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Gott allein - basta
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Gott allein - basta

Stephan Krebs
Ein Beitrag von

Stephan Krebs,

Pfarrer, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Darmstadt

Was mache ich aus meinem Leben? Was ist für mich das richtige? Diese Frage beschäftigt auch Teresa, eine junge Frau aus dem spanischen Städtchen Avila, ein paar Kilometer nordwestlich von Madrid. Eines weiß sie genau: Heiraten wird sie nicht. Denn dann muss sie sich als Frau dem Mann anpassen. Teresa schreibt später nieder: Die Ehe ist für die Frau eine Knechtschaft. Teresa stammt aus besseren Kreisen, heutzutage hätte sie viele Möglichkeiten.

Aber Teresa von Avila wurde vor über fünfhundert Jahren geboren. Für sie als Frau gab es damals außer der Ehe nur das Kloster. Sie wählt dieKarmeliterinnen. Dort sieht sie für sich den größtmöglichen Freiraum für das, was sie wirklich interessiert. Das ist Gott, den sie als Quelle ihres Lebenssinnes sieht. Das treibt sie unermüdlich an. Das bringt sie an die Spitze ihres Ordens. Das lässt sie wichtige Bücher schreiben, die ihr den Ehrentitel Kirchenlehrerin einbringen. Das macht sie bis heute weltberühmt.

Damals bringt sie das in Konflikt mit manchen hohen Herren ihrer Kirche. Für diese ist die Welt voller Irrlehrer und Ketzer. Am liebsten sind ihnen Gläubige, die brav zur Kirche gehen und nachbeten, was dort vorgebetet wird. Eigensinnige Leute fallen dagegen unangenehm auf. Teresa von Avila ist so eine. Aber sie ist klug genug, ihren Weg zu finden – immer an der Grenze des Möglichen.

Zur gleichen Zeit nimmt im nördlichen Europa die Reformation ihren Lauf. Zwischen der spanischen Nonne Teresa von Avila und dem deutschen Reformator Martin Luther in Wittenberg liegen 2300 Kilometer Straße. Heute ist das nicht so viel. Damals war die Distanz unüberwindlich. Zu viele Grenzen und – noch viel wichtiger: zu viel Inquisition. So sind sich Teresa von Avila und Martin Luther nie begegnet. Schade, die beiden hätten sich viel zu sagen gehabt.

Ob sie sich persönlich gut verstanden hätten, weiß ich nicht. Zwei Alpha-Tiere haben es ja miteinander nicht immer leicht. Luther hatte zwar Erfahrungen mit starken Frauen, schon mit seiner Frau Katharina. Aber ob er Teresa als Theologin ernst genommen hätte? Sie schrieb einmal – und das zu Recht: „Ich werfe unserer Zeit vor, dass sie starke und zu allem Guten begabte Geister zurückstößt, nur weil es sich um Frauen handelt.“

Teresa hätte Luther helfen können, sein Frauenbild zu reformieren. Und Luther hätte gemerkt, dass sie beide – unabhängig voneinander, aber mit dem gleichen Gottvertrauen – wichtige Entdeckungen gemacht haben.
Die erste: Eigensinn ist gut. Vor allem, wenn es um den eigenen Weg zu Gott geht. Dafür reicht es nicht aus, das nachzubeten, was andere vorbeten. Da muss man schon selber ran.

Noch etwas Gemeinsames haben Luther und Teresa entdeckt: ein Mittel gegen ihre Angst. Dass beide unter Angst litten, verwundert. Denn beide machen nach außen hin einen starken, geradezu unerschütterlichen Eindruck. Aber wie das so ist mit dem, was man von sich zeigt: Das Gegenteil davon ist auch immer in der Nähe. In ihrem Fall, die Angst vor Gott zu versagen. Und manches mehr, was auch heute noch vielen Angst macht.

Wie wird man sie los? Teresa schärft ihren Ordensschwestern und sich selbst immer wieder ein: „Nichts soll dich ängstigen, nichts dich schrecken. Wer Gott hat, dem fehlt nichts. Gott allein genügt.“ Auf Spanisch: „Solo dios basta“ Allein Gott – basta. So hat es Luther auch gesagt: Solus Christus, Christus allein verdanken wir unser Leben und unser Heil. Und das genügt. Basta – dieses Wort hätte Luther sicher sehr gut gefallen.

Teresa-Zitate aus: „Weg der Vollkommenheit“

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