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01Den Kriegsdienst verweigern
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01Den Kriegsdienst verweigern

Jens Haupt
Ein Beitrag von

Jens Haupt,

Evangelischer Diakoniepfarrer, Bad Hersfeld
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Warum sind unter den Flüchtlingen so viele junge Männer? Fehlende Aussichten auf gute Ausbildung und einen Arbeitsplatz im Heimatland? Manche werden von ihrer Familie geschickt, damit sie die Angehörigen eines Tages mit selbst verdientem Geld aus dem Ausland unterstützen. Oder auch die Familie nachholen. Ich habe eine ganz andere Idee: Es könnte sein, dass unter den jungen Männern viele nicht töten wollen. In Syrien zum Beispiel ist es nur eine Frage des Wohnortes und der Zeit, dass junge Männer zum Waffendienst gezwungen werden. Zwangsrekrutierung droht jedem, überall und von allen Kriegsparteien. Wer sich dem entziehen will, muss das Land verlassen, fliehen. Bei uns nennt man sie Kriegsdienstverweigerer. Früher sind etliche aus der Bundesrepublik nach Berlin geflohen, um sich der Bundeswehr zu entziehen. Heute verweigern nur noch aktive Soldatinnen und Soldaten. In Deutschland ist das Recht, den Dienst mit der Waffe zu verweigern, im Grundgesetz in Artikel 4 verankert. Man muss sich als Kriegsdienstverweigerer aus Gewissensgründen allerdings erst anerkennen lassen. Auch Asyl ist ein Grundrecht. Wie bei der Kriegsdienstverweigerung beantragt man die Anerkennung. Dazu muss man in einem Interview die Flucht- und Verfolgungsgründe glaubhaft darlegen. Als Asylgrund ist die Weigerung Soldat zu werden nicht anerkannt. Es zählt im Asylverfahren nicht. Ein Widerspruch. Verweigerer unterschiedlicher Glaubensrichtungen antworten auf die Frage, warum sie das Töten nicht lernen wollen: „Ich kann nicht töten. Das ist gegen meinen Glauben, gegen mein Gewissen.“ Darauf würden sich viele junge Flüchtlinge auch berufen, so wie manche der älteren, wenn sie selbst schon Soldaten und Kämpfer waren. Es fragt auch niemand, wie die geflüchteten Frauen zum Waffendienst stehen, wenn sie erlebt haben wie ihre Männer und Söhne aus dem Krieg wieder nach Hause gekommen sind. Wenn das Gewissen eine der Stimmen Gottes ist, lohnt es den biblischen Spruch aus der Apostelgeschichte für den Monat Juni zu hören: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.“ Auch das kann ein Grund zur Flucht sein.

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