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Dankt, nun dankt – nicht nur im Herbst
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Dankt, nun dankt – nicht nur im Herbst

Ute Zöllner
Ein Beitrag von Ute Zöllner, Evangelische Pfarrerin i.R., Pastoralpsychologin, Kassel

Die Küche steht voller Marmeladengläser. Es duftet nach Früchten und Zucker. Die Hände kleben, der Fußboden leider auch. Aber ich bin glücklich über die gefüllten Gläser. Da stört das Durcheinander zwischen Spüle und Herd nicht wirklich. Ich freue mich an der eingefahrenen Ernte. Die Erdbeermarmelade steht schon im Keller. Heute haben wir die Sammlung ergänzt und aus Stachelbeeren Gelee gekocht. Und zum Schluss haben wir die Gläser verschraubt und beschriftet. Das i-Tüpfelchen ist schließlich der blau–weiß-karierte Stoff über dem Deckel. Das eine oder andere Glas will ich verschenken.

Die vielen Gläser sind nicht selbstverständlich. Früher waren die Früchte im Garten auch eher lästige Arbeit für mich. Schnell habe ich über die Mühe gestöhnt, die das Einmachen mit sich bringt. Meine Einstellung habe ich aber nach und nach verändert. Heute ist das Einmachen, ein Grund für mich, Danke zu sagen. Wenn ich nur hinschaue, dann gibt es jeden Tag einen Grund, Danke zu sagen. So kann jeder Tag zu einem Erntedanktag werden.

Dankbarkeit macht das Leben doppelt schön. Sie entsteht wie von selber. Hannes, ein zweijähriger aus der Nachbarschaft, schaut staunend in die Welt und ruft jauchzend: „Da – da!“

Dankbar zu sein ist zutiefst menschlich. Es ist eine Fähigkeit, die schon Kinder entdecken und dann mit uns nach passenden Worten suchen. Wenn das gelingt, wird die Dankbarkeit zu einem Lebenselixier. Sie würdigt das Gute im Leben. Wer dankt, hält das Gute nicht mehr für selbstverständlich und gewöhnt sich daran.

„Ich freue mich, dass ich mich an das Schöne und an das Wunder niemals ganz gewöhne.“
Das möchte ich weitergeben - und sei es nur in Form eines Marmeladenglases.

Zitat: Mascha Kaleko: In meinen Träumen läutet es Sturm, 1977, S.70

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