Arbeit an sich selbst
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Arbeit an sich selbst

Michael Becker
Ein Beitrag von Michael Becker, Evangelischer Pfarrer i. R., Kassel

Tag der Arbeit geht auch anders. Wie in den USA. Da kriegen 180.000 Angestellte einen halben Tag frei (Ende Mai). Aber nicht zum Ausruhen, sondern zur Arbeit an sich selbst. In einer Filiale der Kaffeehauskette Starbucks gab es vor kurzem einen Zwischenfall. Zwei schwarze Gäste wurden in Handschellen abgeführt, weil sie nichts bestellen wollten, angeblich. Wollten sie aber; sie hatten nur lange auf einen Freund gewartet. Andere Gäste empörten sich über die Verhaftung; Zeitungen und Fernsehen berichteten. Der Ruf der Kaffeehauskette ist beschädigt. Das soll jetzt besser werden. Mit einem halben Tag Training gegen „rassistische Vorurteile“. Mit Arbeit an sich selbst.
Das hätten viele nötig. Überall wird ja gelästert: über Schwarze, Türken, Russen; über Obdachlose oder Bettler. Sogar Juden sind bei uns wieder Schlägen ausgesetzt. Warum eigentlich? Hat uns jemals einer von ihnen etwas getan? Oder weggenommen? Warum muss man über andere schlecht denken, reden, sie gar beschimpfen?
Damit man sich selbst aushält, denke ich. Wer über andere herzieht, oft grundlos, ist unzufrieden mit sich. Da hilft nur eins: Arbeit an sich selbst. An der eigenen Zufriedenheit. Das kann heute beginnen, am freien Tag. Ich will lieber auf mich sehen, auf mein Leben. Ich will mich mit niemandem vergleichen; auf keinen Menschen herabsehen. Erst einmal will ich dankbar sein für das, was ich habe. Einkommen, Rente, Freunde; Essen und Trinken. Und, ganz wichtig: ich habe Heimat. Das nimmt mir niemand weg, Gott. Dafür bin ich dir dankbar.

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