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April, April!
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April, April!

Martin Vorländer
Ein Beitrag von

Martin Vorländer,

Evangelischer Pfarrer und Theologischer Redakteur im Medienhaus Frankfurt
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Bis heute erinnere ich mich an einen Aprilscherz, auf den ich als Kind hereingefallen bin. Meine Eltern hatten für mich die „Flohkiste“ abonniert. Das war eine Jugendzeitschrift, die alle zwei Wochen kam. Sie hat alle möglichen Themen für Grundschüler verständlich erklärt.

Ich mochte die Flohkiste. Aber meine Beziehung zu ihr bekam an einem ersten April einen Knacks. Da stand in der Zeitschrift: Der Eiffelturm in Paris ist verrostet. Es wäre viel zu teuer, ihn zu renovieren. Darum wird er abgebaut. Leser der Flohkiste könnten zur Erinnerung ein Eisenstück vom Eiffelturm bekommen. Einfach an die Zeitschrift schreiben, und man bekommt das Souvenir zugeschickt.

Weil die Zeitschrift ja sonst auch immer pädagogisch wertvoll war, habe ich ihr geglaubt und war erschüttert. Der schöne Eiffelturm! Das kann man doch nicht machen. Mit der nächsten Ausgabe der Zeitschrift kam die Auflösung: April, April! Der Eiffelturm bleibt natürlich stehen. Aber Danke an alle Leser, die an die Redaktion geschrieben haben und ein Originalteil vom Eiffelturm haben wollten.

Ich war froh, dass ich nicht geschrieben hatte. Ich kam mir trotzdem für dumm verkauft vor. Halb war’s mir peinlich, dass ich darauf hereingefallen bin. Halb habe ich mich über meine Zeitschrift geärgert. Der Aprilscherz hatte eine anhaltende Wirkung: Ich habe ihr nicht mehr alles geglaubt. Wenn ich etwas gelesen habe, dann habe ich mich gefragt: Kann das stimmen?

Im Nachhinein denke ich: kein schlechter Effekt. In der Bibel steht: „Prüft alles und das Gute behaltet!“ (1. Thessalonicher 5,21) Ich brauche beides: alles prüfen, also den kritischen Blick. Kritisch heißt aber auch: einen Blick für das Gute haben.

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