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Stimmungsaufheller Lichtmess
pixabay / Mandy Fontana

Hintergründe

Stimmungsaufheller Lichtmess

Still und unentdeckt ist er in der Wohnung immer noch da: der kleine Strohstern am Spiegel oder der Tannenzweig auf dem Fensterbrett.

Diese letzten Spuren von Weihnachten entdeckt man manchmal erst, wenn man die Fenster putzt und den Spiegel wischt.

Die letzten Spuren von Weihnachten

Das Christfest wirkt lange nach. Aber auch die größten Weihnachtsliebhaber:innen müssen sich jetzt verabschieden. Denn am 2. Februar ist die Weihnachtszeit endgültig vorbei und kommt erst in zehn Monaten wieder.

"Tag der Darstellung Jesu im Tempel" heißt der 2. Februar im Kirchenkalender. Oder auch Lichtmess in katholischer Tradition.

In der katholischen Kirche werden an diesem Tag die Kerzen für das ganze Jahr gesegnet. Auch wenn Protestant:innen Dinge nicht segnen, der Gedanke ist schön und verbindet ökumenisch: Kerzen für jeden Tag.

Das Licht soll nicht ausgehen, sondern leuchten, ganz gleich, ob die Lage trüb oder heiter ist.

Das macht Laune in nasskalter Zeit

Für unsere Autorin Andrea Seeger kommt deshalb Lichtmess als Stimmungsaufheller in dieser nasskalten Jahreszeit gerade recht.

Im hr1 Zuspruch am 2. Februar erzählt sie mit Verve und Wonne von den verschiedenen Bräuchen, die sich um den 2. Februar ranken. Es macht Laune, ihr zuzuhören!

Das erste Kind

Die biblische Erzählung zu Lichtmess steht im Lukasevangelium (Lukas 2,21-40).

Maria und Josef bringen den kleinen Jesus vierzig Tage nach seiner Geburt in den Jerusalemer Tempel, um Gott zu danken.

So war es Brauch. Der erstgeborene Sohn wird Gott "dargestellt", also vor Gott gebracht und Gott geweiht. Daher der Name des Tages "Darstellung Jesu im Tempel".

Besondere Zeit braucht besonderen Schutz

Außerdem vollzieht Maria den Ritus: Eine Frau sollte zur "Reinigung" nach einer Geburt Opfer im Tempel bringen. Bei einem Jungen galt die Mutter 40 Tage als "unrein", nach der Geburt eines Mädchens 80 Tage. Die Opferung von Tauben beendete diese Zeit.

Die Vorstellung hinter diesem Ritus mutet heute fremd an: Warum sollte eine Frau nach einer Geburt unrein sein? Und warum bei einem Mädchen doppelt so lang wie bei einem Jungen?

Die Fragen bleiben. Vielleicht liegt jenseits von Reinheit und Ungleichheit die Erfahrung: Die Zeit nach einer Geburt ist eine besondere, die auch besonderen Schutz braucht.

Der alte Mann und das Neugeborene

Zurück zur Erzählung im Lukasevangelium: Im Gotteshaus begegnen der kleinen Familie zwei Hochbetagte: ein Mann namens Simeon und die Prophetin Hanna, eine 84 Jahre alte Witwe.

Beide erkennen in dem Baby den Heiland, auf den sie ihr Leben lang gewartet haben. Simeon nimmt das Kind auf seine Arme. Der alte Mann und das Neugeborene - eine anrührende Szene. 

"Meine Augen haben deinen Heiland gesehen"

Simeon stimmt einen Lobgesang an:

"Herr, nun lässt du deinen Diener in Frieden fahren, wie du gesagt hast; denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen, das Heil, das du bereitet hast vor allen Völkern, ein Licht zur Erleuchtung der Heiden und zum Preis deines Volkes Israel." (Lukas 2,29-32)

In Frieden fahren. Bei unserem Autor Fabian Vogt berührt das eine existenzielle Frage: Was müsste in meinem Leben passieren, dass ich sagen kann: Nun kann ich in Frieden sterben? Dazu sein hr3 Moment mal am 2. Februar 2021.

Auf Latein heißt dieser Lobgesang des Simeon "Nun dimittis" und gehört zu den Gottesdiensten am 2. Februar fest dazu.

Wegen der Worte Licht und Erleuchtung gab es bereits seit dem 7. Jahrhundert Lichterprozessionen zur Feier der Darstellung des kleinen Jesus im Tempel.

Schwert durch die Seele

Simeon sagt der jungen Mutter Maria voraus, dass ihr Sohn Widerspruch provozieren wird und dass durch ihre Seele ein Schwert dringen wird (Lukas 2,35).

In der christlichen Kunst gibt es deshalb die Darstellung, wie ein Schwert auf das Herz von Maria zielt oder sogar durch ihre Brust fährt.

In diesem Bild finden manche Eltern ihren eigenen Schmerz um ihr Kind wieder, das einen harten Lebensweg hat, leidet oder sogar stirbt.

Mal sehen...

Simeon hat gesehen, was er erhofft hat. Das lässt Pfarrerin Henriette Crüwell an das "Mal sehen" denken, das die Pandemie-Zeit bestimmt.

Dazu hier ihre Predigt im hr4 Gottesdienst vom Zweiten Weihnachtstag aus der evangelischen Friedenskirche in Offenbach.

Tränen des Lichts

Unser Autor Clemens Weißenberger erinnert sich daran, wie er als Junge Messdiener war und Lichtmess erlebt hat.

Er beschreibt, wofür die Kerzen an Lichtmess brennen, und nennt seinen hr1 Zuspruch "Tränen des Lichts".

Murmeltiertag und Lichtmess

Auch fürs Wetter halten manche Lichtmess für bedeutungsvoll: "Wenn der Dachs zu Maria Lichtmess mittags seinen Schatten sieht, muss er noch vier Wochen in seinem Bau bleiben."

Was es damit auf sich hat und wie Lichtmess mit dem nordamerikanischen Murmeltiertag zusammenhängt, erklärt unser Autor Marcus C. Leitschuh in seinem hr4 Übrigens.  

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