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Ernesto Cardenal ist tot
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Hintergründe

Ernesto Cardenal ist tot

Er war katholischer Priester, Poet und Politiker in Nicaragua. Als einer der bekanntesten Vertreter der lateinamerikanischen Befreiungstheologie hat Cardenal auch in Europa viele Menschen fasziniert. Wie am 2. März 2020 bekannt wurde, ist Ernesto Cardenal im Alter von 95 Jahren in Nicaraguas Hauptstadt Managua gestorben.

In seiner katholischen Kirche war er umstritten. Cardenal war Kulturminister unter den sozialistischen Sandinisten. Papst Johannes Paul II. lehnte Cardenals politische Tätigkeit  ab und suspendierte ihn 1985 vom Priesteramt. Papst Franziskus hob die Sanktionen gegen ihn 2019 auf.

Unser Autor Daniel Lenski hat Ernesto Cardenal bei einer seiner letzten Lesereisen in München erlebt. Im hr2 Zuspruch am 20. Januar 2020 erinnert er an wichtige Gedanken Cardenals:

Ernesto Cardenal und die Sehnsucht nach einer gerechteren Welt

Ernesto Cardenal, der katholische Priester, Politiker und Poet aus Nicaragua, hat gedichtet:

„Es gibt so viel Mais zu pflanzen,
so viele Kinder zu unterrichten
so viele Kranke zu heilen,
so viel Liebe zu verwirklichen,
so viel Gesang.
Ich singe ein Land, das bald geboren wird.“
(Zitiert nach: https://www.deutschlandfunk.de/ernesto-cardenal-christ-und-marxist.871.de.html?dram:article_id=309017, Zugriff am 4.1.2020)

Diese Zeilen von Ernesto Cardenal stammen aus einem seiner berühmtesten Gedichte. Er hat es „Nationallied für Nicaragua“ genannt. Cardenal ist eine wichtige Stimme Lateinamerikas. Heute feiert er seinen 95. Geburtstag.

Priester, Politiker und Poet

Für Cardenal sind Religion und Wirklichkeit eng miteinander verbunden. Als Dichter sprach er von Gott. Als katholischer Priester feierte er Messen mit denen, die der revolutionären Bewegung in Nicaragua angehörten. Als Kulturminister seines Landes war es ihm wichtig, dass alle Menschen lesen und schreiben lernen.

Politisches Engagement und christlicher Glaube gehören für Ernesto Cardenal zusammen. In seinem Verständnis war Jesus von Nazareth vor allem ein Freund der Armen. Einer, der sich mit denen an einen Tisch setzte, die Hunger hatten oder ausgestoßen waren. Und der davon träumte, dass niemand mehr hungern muss oder ausgestoßen wird.

Die Welt verändern mit Poesie und politischem Engagement

Cardenal sah es als seine Aufgabe, die Welt zum Besseren zu verändern. Mit den Worten der Poesie, aber auch mit seinem politischen Engagement. Das hatte für ihn persönlich Konsequenzen. Papst Johannes Paul II. verbot ihm 1985, sein Priesteramt auszuüben. Erst Papst Franziskus hat dieses Verbot im vergangenen Jahr aufgehoben. Seinen kritischen Geist hat sich Cardenal bewahrt: Er kritisiert die Korruption in Nicaragua. Er ist enttäuscht, dass sich die Revolutionäre von damals heute ebenfalls am Volk bereichern.

Ich habe Ernesto Cardenal bei einer seiner Lesereisen in München erlebt. Mich beeindruckte die Ruhe, mit der er seine revolutionären Gedanken vorbrachte. Ernesto Cardenal war oft in Deutschland zu Besuch. Viele hier haben von ihm erfahren, wie es Menschen in Lateinamerika geht. Immer wieder betonte er, dass der christliche Glaube mit Gerechtigkeit zu tun hat. In Nicaragua und auf der ganzen Welt.

Die Sehnsucht nach einer besseren Welt

In den vergangenen Jahren ist es ruhiger um Ernesto Cardenal geworden. Seine Fragen sind weiterhin aktuell: Ob Kinder hungern, ob Menschen frei ihre Meinung äußern dürfen und wie wir mit den natürlichen Ressourcen der Erde umgehen. Das sind politische Fragen. Aber zugleich sind es auch Themen, die Christen nicht ruhig schlafen lassen können. Sie versetzen in eine heilige Unruhe und wecken die Sehnsucht nach einer anderen Welt.

Jesus hatte solch eine andere Welt vor Augen. Eine gerechtere Welt. Davon hat Ernesto Cardenal gedichtet: „So viel Mais zu pflanzen, so viele Kinder zu unterrichten, (…) so viel Liebe zu verwirklichen. Ich singe ein Land, das bald geboren wird.“

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